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Am Mount Bromo

Am Mount Bromo

Welche Überraschung, wir schlafen wieder nicht sonderlich viel. Die Muezzine singen wieder im Kanon, bis wir noch einmal einschlafen können dauert es etwas und um 7.00 Uhr läutet ohnehin schon der Wecker. Eine längere Zugfahrt steht heute wieder an. Unser nettes Homestay packt uns sogar das Frühstück extra ein, so dass wir auf der Fahrt nicht verhungern müssen. :-)

Heute geht es in einer achtstündigen Zugfahrt nach Malang, da wir von dort aus den Vulkan Mount Bromo erobern wollen. Doch es soll am Ende etwas anders kommen. Armin liest sich nämlich noch etwas rund um das Thema Vulkanbesteigung ein und schlägt vor, unseren Plan zu ändern und heute noch in die nächste Stadt Probolinggo weiterzufahren, um von dort morgen auf den Bromo zu fahren. Gesagt getan. In Malang angekommen, haben wir 15 Minuten Zeit um uns neue Tickets zu besorgen und in den anderen Zug zu wechseln. Alles kein Problem.

Da es nach Probolinggo keine Executiveklasse gibt, fahren wir halt „Holzklasse“. Da die Bänke aber gepolstert sind, ist es durchaus komfortabel. Natürlich kühlt auch hier die Klimaanlage den Zug auf gefühlte -10 Grad herunter. Man achte bitte auf die kreative Kopfbedeckung des Mannes hinter Armin. Die hält sicher warm. :D

Nachdem wir heute über zehn Stunden im Zug verbracht haben, sind wir etwas müde als wir in Probolinggo ankommen. Unser Wunsch, so schnell wie möglich in die am besten bewertete Unterkunft der Stadt zu kommen, erweist sich als etwas schwierig. Um ein Grab zu holen müssen wir einige hundert Meter vom Bahnhofsgelände weggehen. Als wir schließlich im Auto sitzen bestätigt der Fahrer unseren Verdacht. Der Bahnhof ist rote Zone. Hier regieren die Taxifahrer, die den Grabfahrern auch gerne mal die Windschutzscheibe einwerfen, um zu zeigen, wer hier das Sagen hat.

Armin hat das „Clover Homestay“ gebucht, da in den Bewertungen auf die hervorragenden Tipps des Hotelchefs hingewiesen wird. Und die Bewertungen sollten Recht behalten. Er erklärt uns genau, wie wir unsere geplante Tour umsetzten sollen, auf was wir achten müssen, um in keine Touristenfalle zu tappen und hilft uns auch bei der Organisation eines Scooters. Da von Probolinggo aus die geführten Jeeptouren auf den Vulkan starten, werden eigentlich keine Mopeds verliehen. Nur einen einzigen Verleiher hat Armin im Internet gefunden, der uns glücklicherweise ab morgen Früh ein Fahrzeug bereitstellen wird.

Höchst zufrieden, dass die Organisation doch noch geklappt hat fallen wir totmüde ins Bett und schlafen sehr bald ein.

Am nächsten Tag bin ich richtig gut ausgeschlafen. Ich muss auch geschlafen haben wie ein Stein, da ich den Muezzin der von der nahe gelegenen Moschee aus um 4.00 Uhr gesungen hat, nicht gehört habe. Ein Hoch auf meinen Kleindkindschlaf. :-)

Ausgeruht starten wir nach dem Frühstück um 9.00 Uhr zu unserem Scooter-Verleiher. Wir reisen nur mit einem kleinen Rucksack, da wir oben in der Region um den Vulkan nur eine Nacht bleiben werden. Unsere großen Rucksäcke können wir dankenswerterweise im Homestay lassen.

Nachdem wir etwas brauchen um unseren Scooter-Verleiher zu finden, weil er weit außerhalb des Zentrums in einer abgelegenen Wohnsiedlung daheim ist, bekommen wir einen tollen fahrbaren Untersatz mit genügend PS, um uns über 2.000 Höhenmeter hochzubringen. Zuvor versichert er sich zumindest noch mündlich, ob Armin eh gut fahren kann. :D

Wir verlassen die Stadt und machen sehr schnell Höhenmeter. Das Landschaftsbild verändert sich stark und es wird sehr grün. Wunderschön. Die Kraterwände des Tengger-Massivs, in dem Mount Bromo und noch weitere Vulkane beheimatet sind, werden sichtbar. Die Gegend ist offensichtlich sehr fruchtbar, überall werden Gemüsesorten angepflanzt, hauptsächlich Kohlgemüse. Die Anbauflächen ziehen sich bis auf über 2.200 Meter Seehöhe und begleiten uns somit die ganze Fahrt. Uns kommt der Gedanke, dass ganz Indonesien von hier aus mit Kohl versorgt wird. :-)

Unser erstes Ziel heißt Cemoro Lawang, ein kleiner Ort am Rande des „Bromo Tengger Semeru National Park“. Wir haben zwar nur wenig Gutes über die Unterkünfte hier gelesen, riskieren aber trotzdem eine Übernachtung. Das Wort „versifft“ wird öfter im Zusammenhang mit dem Ort genannt und den Eindruck bekommen wir auch.

Wir möchten bereits heute Nachmittag zum Bromo rauf um morgen Früh nach dem Sonnenaufgang gleich wieder nach Probolinggo zurückzufahren. Wir hoffen, dadurch die Touristenmassen zu umgehen. Die klassische Tour verläuft nämlich so, dass die Touristen zum Sonnenaufgang gebracht werden, um anschließend am Vormittag zum Krater des Bromos hinaufzugehen.

Zunächst erkunden wir die Gegend. Offensichtlich haben sich einige im Ort die Freiheit genommen, für den Ort Eintritt zu verlangen und einen Ticketschalter eröffnet. Wir beschließen diese Freiheit nicht zu unterstützen und fahren einfach vorbei. Da nur kurz mündlich protestiert wird, scheint man es mit der Kontrolle ohnehin nicht ganz so streng zu nehmen. Beim offiziellen Eintrittspunkt haben wir weniger Glück. Hier wird noch kontrolliert. Da es aber erst 11.30 Uhr ist, beschließen wir zunächst etwas essen zu gehen und gönnen uns (wie schon so oft in diesem Land) Mie Goreng (gebratenen Nudeln).

Da auch trotz gegenteiliger Angaben im Internet der „Villagers Walk“, der Weg der Einheimischen, nun mit einem Schranken inklusive davor positioniertem Ranger kontrolliert wird, erkunden wir zunächst noch den Weg für die morgige Sonnenaufgangswanderung. Wir wurden bereits darauf hingewiesen, dass es steil bergauf gehen wird und die Straße in keinem guten Zustand sei. Alles halb so wild und nichts was Armin und der Scooter nicht bewältigen könnten. :-)

Das Eintrittsticket kostet für Ausländer normalerweise ca. 14€, am Wochenende aber 20€. Einheimische zahlen natürlich nur einen kleinen Bruchteil davon (2€). Da wir schon in Probolinggo darauf hingewiesen wurden, dass dieses Geld nicht für die Erhaltung des „Nationalparks“ (den übrigens jeden Tag hunderte Jeeps und Motorräder befahren) genutzt wird, sondern direkt nach Jakarta geht, sind wir auch nicht mehr bereit das „ziehe-dem-Touristen-so-viel-Geld-wie-möglich-aus-der-Tasche“-Spiel mitzumachen.

So düsen wir noch über eine Stunde in dem kleinen, aber ziemlich steil angelegten Ort herum, bis die Bremse ausfallen. :D Glücklicherweise gibt es auch nette Einheimische, die uns sofort zum nächsten Mechaniker ihres Vertrauens leiten, wo uns die Bremsen nachgezogen werden und erklärt wird, dass wir abwechselnd bremsen müssen, da ansonsten die Bremsen hier sehr leicht und sehr schnell überhitzen.

Weil es mittlerweile nach 14.00 Uhr ist und wir schön langsam in unsere Unterkunft möchten, welche blöderweise im Nationalparkgebiet und somit hinter dem Eintrittspunkt liegt, riskieren wir es und fahren hin, obwohl noch mehrere Leute davor stehen. Es stellt sich heraus, dass von den offiziellen Rangern keiner mehr hier ist, sondern nur mehr ein paar halbstarke junge Männer in Freizeitkleidung, die Touristen abzocken… Kommt also ein Touri vorbei, wird er zum Ticketschalter gebeten, wo dann abkassiert wird, halt nicht von der offiziellen Stelle, sondern von den Locals… Wir erklären gleich, dass wir nur in unsere Unterkunft, dem Cahyo Homestay möchten und schon werden wir durchgewunken. Bingo. Wir sind drin. :-)

Unsere Unterkunft liegt mitten in einem Kohlfeld. Von außen sieht es netter aus als von innen. In unserem Zimmer riecht es unglaublich muffig und alles wirkt sehr…ähm, nennen wir es „einfach“. Glücklicherweise haben wir unsere Hüttenschlafsäcke mitgenommen. Das Bad hat zwar ein Klo, dafür kein Waschbecken. :D Für eine Nacht zahlen wir übrigens 17€.

Kurz danach starten wir auch schon Richtung Vulkan. Über einen kleinen Schleichweg müssen wir auch nicht mehr in die Nähe des Ticketschalters und wenige Minuten später haben wir schwarzen Vulkansand unter den Reifen. Der Mount Bromo liegt inmitten der „sea of sand“, der Kaldera des Tengger-Massivs. Daneben erblicken wir den Mount Batok. Weitere aktive Vulkane liegen dahinter, sehen wir aber aufgrund der aufziehenden Wolken gerade nicht. Wir merken aber schnell, dass sich das Wetter hier ohnehin im Minutentakt ändert.

Armin fährt natürlich souverän durch das Sandmeer. Nur zweimal ist der Untergrund so weich, dass wir leicht kippen und ich im schwarzen Vulkansand lande. :-)

In der Nähe des Bromo können wir unseren Scooter parken und hoch marschieren. Der Weg ist weder weit noch anstrengend. Eine Treppe von ca. 200 Stufen führt zum Kraterrand hoch.

Armin darf dabei natürlich Fotos mit Einheimischen machen. :D

Bei der Ankunft überschlagen sich unsere Gedanken. Wir stehen vor einem rauchenden und laut brummenden Höllenschlund. Unglaublich. Und in diesem Höllenschlund liegt natürlich eine Menge Müll. Wieso wundert uns das eigentlich immer noch?

Fasziniert und irritiert zugleich wandern wir am Krater des grölenden Ungetüms entlang. Das Wort „Bromo“ wird übrigens von Gott Brahma abgeleitet und so ist der Vulkan eben diesem gewidmet. Der Vulkan ist nach wie vor aktiv, wobei er bei seinen letzten Ausbrüchen 2010, 2011 und 2015 keine Lavaströme ausspuckte sondern lediglich Aschewolken. Niemand kam dabei zu Schaden.

Die Landschaft rund um den Vulkan sieht aus wie eine Mondlandschaft. Zumindest stellen wir uns den Mond so vor. :D Auch Mordor von „Herr der Ringe“ könnte hier liegen.

Immer wieder ziehen Wolken über uns hinweg, sodass wir für wenige Minuten nichts sehen außer eine weiße Wand. Dann dreht der Wind wieder und wir können ganz tief in den Krater blicken. Wir sind begeistert.

Nach über einer Stunde an der Kraterwand machen wir uns wieder auf den Rückweg. Mit dem Scooter fahren wir noch einige Zeit durch die Sandwüste, die nicht nur aus Sand besteht, wie wir schnell merken. Der Mount Batok ist im Gegensatz zum Bromo bereits begrünt und dahinter beginnt eine wunderschöne Graslandschaft, die so gar nicht zum Rest des Vulkangebietes passt. Wir lieben es hier.

Wir fahren tatsächlich noch so lange herum bis die Dunkelheit einbricht. Ursprünglich wollten wir ja eigentlich den Sonnenuntergang hier bewundern, was aber aufgrund der vielen Wolken dann doch nichts geworden ist. Macht nichts, das Erlebnis ist trotzdem unglaublich.

Wieder zurück in unserer Unterkunft gehen wir im nahe gelegenen Hotel noch etwas essen. Im großen Speisesaal sind wir nur sechs Menschen, entsprechend leer wirkt es.

Wir bestellen uns beide Suppen, da es mittlerweile richtig kalt geworden ist. Gut, wir sind auch ca. 2.300 Meter über dem Meer. :-)

Armin schläft in unserer gewöhnungsbedürftigen Unterkunft sehr gut, ich eher weniger. Entsprechend gerädert bin ich als um 3.00 Uhr morgens der Wecker klingelt. Da wir bis zum Aussichtspunkt für den Sonnenaufgang über den Vulkanen ein gutes Stück zu Fuß hinter uns bringen müssen, müssen wir leider früh aufstehen. Armin vergisst nicht darauf hinzuweisen, dass der Ausflug meine Idee war. :D

Problemlos stellen wir unseren Scooter beim gekennzeichneten Parkplatz ab und gehen los. Es ist steil und sehr anstrengend. Zumindest für mich. Innerhalb kürzester Zeit bin ich nass geschwitzt, muss mehrfach stehen bleiben und komme überhaupt nur sehr langsam voran. Irgendwie war meine Kondition vor zwei Wochen im Regenwald noch besser. Vielleicht liegt es auch an der Höhe. Wir überwinden innerhalb einer Stunde 500 Höhenmeter bis wir schließlich den „King Kong Hill Viewpoint“ auf 2.800 Meter erreichen. Immerhin ist das höher als der höchste Berg Oberösterreichs (tolle Ausrede. :D). Hier heißt es erstmal warten auf den Sonnenaufgang. Trotz mitgebrachter Decke ist mir eisig kalt. Armin ist dann so lieb und holt mir eine 0.5-Liter-Flasche Tee, die ich als Wärmflasche unter meine Jacke stecke.

Hier oben gibt es natürlich Kaffee- und Tee-Stände, denn von der anderen Seite (von Malang aus) kommt man nämlich mit dem Jeep bzw. mit dem Scooter hoch. Es sind nicht alle so blöd und machen eine Morgenwanderung. :D

Zum Glück verirren sich doch nicht so viele Touristen hierher, wie befürchtet. So haben wir eine wunderschöne Aussicht auf die Vulkane unter uns. Die Caldera ist zu diesen Stunden noch unter einer Wolkendecke versteckt, wodurch es ein bisschen wirkt, als würden die Berge im Himmel schweben. Es ist wunderschön. :-)

Aufgrund der vielen Wolken sehen wir auch von dem Sonnenaufgang nicht viel, dafür können wir mitansehen wie sich das Stimmungsbild über den Vulkanen verändert. Auch der höchste Berg Javas, der Vulkan Semeru ist manchmal im Hintergrund zu sehen. Die Anstrengung hier hoch zu kommen, hat sich auf jeden Fall ausgezahlt.

Sogar die kleine Ortschaft sieht von hier oben ein bisschen aus wie in der Toskana. Aber nur von oben. :D

Gegen 7.00 Uhr beschließt Armin, dass ich genügend Fotos gemacht habe und wir begeben uns auf den Rückweg. Armin merkt grinsend an, dass es auch weiter unten schöne Aussichtspunkte gegeben hätte. :D

Die Rückfahrt gestalte sich wieder problemlos und in ca. 1,5 Stunden sind wir fast auf Meereshöhe und in Probolinggo angekommen. Unser Scooter-Verleiher freut sich, sein Fahrzeug wieder heil zurückzubekommen. Im Homestay, wo unsere Rucksäcke ohne uns übernachten durften, genießen wir noch ein kurzes Frühstück, bevor wir wieder Richtung Bahnhof aufbrechen. Denn, ob ihr es glaubt oder nicht, der nächste Vulkan wartet bereits morgen auf uns. ;-)

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