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Auf nach Neuseeland

Auf nach Neuseeland

Heute heißt es endgültig Abschied nehmen von Asien. Ein Grab-Taxi bringt uns gemütlich an diesem letzten Februar-Tag gegen Mittag zum Flughafen in Denpasar, von wo aus wir über Melbourne nach Queenstown, Neuseeland fliegen. Der Flughafen ist trotz seiner Internationalität überschaubar. Der Check-In sowie der Security-Check und die Ausreise funktionieren problemlos. Danach wird es allerdings etwas eigenwillig. Dass man beim Security-Check nicht mehr als 100ml Flüssigkeit im Gepäck haben darf ist ja nichts Neues. Dass man aber auch Essen und Trinken, welches man nach dem Check im Duty-Free kauft auch nicht mitnehmen darf ist uns neu. Aber das sind die Regeln von Australien. Für unsere Fluglinie Jetstar natürlich super, da man als Kunde schließlich gezwungen ist, das überteuerte Wasser im Flieger zu kaufen, wenn man auf einen fünf-Stunden-Flug nicht verdursten möchte. Vorm Boarding werden unsere Rucksäcke noch einmal gründlich durchsucht, vor uns steht ein Container mit jeder Menge halbvollen Wasserflaschen, die am Boden bleiben müssen.

Ansonsten verläuft der Flug im 600 Sitze-großen Boing-Dreamliner problemlos. Armin gönnt sich um zehn australische $ (umgerechnet ca. 7€) das Board-Entertainment-Programm und schaut Harry Potter. Ich lese endlich „the jungle book“ fertig (ich versuche mich gerade an Klassikern der englischen Literatur – waren günstig auf Amazon für meinen Kindle zu erwerben – und komme bis jetzt mit dem Erzählstil der damaligen Zeit nicht ganz zu Recht; „War oft he Worlds“ von H.G. Wells war jetzt auch nicht so der Kracher…).

Wir landen um ca. 23.00 Uhr Ortszeit in Melbourne. Was uns schon im Flieger aufgefallen ist (und hier am Flughafen noch mehr) wird durch eine kurze Google-Recherche bestätigt. Australien hat ein gravierendes Fettleibigkeitsproblem. Seit unserem Besuch in den USA 2011 haben wir nicht mehr so viele fettleibige Menschen (hier leider hauptsächlich Frauen) binnen so kurzer Zeit gesehen. Und mit Fettleibigkeit meine ich nicht Übergewicht oder „dick“, sondern Gesundheitsgefährdung, weil die Personen aufgrund ihres Gewichtes nicht mehr ordentlich gehen können.

Da unser Anschlussflug erst in sechs Stunden geht, suchen wir uns eine gemütliche Ecke am Flughafen und machen ein kleines Schläfchen, damit wir wenigstens auf ein paar Stunden Schlaf kommen und der Jetlag nicht gar so schlimm wird.

Unser Flieger nach Queenstown hebt pünktlich ab. Schlafen im Flugzeug funktioniert nicht so gut, da Jetstar nun doch eine Billigfluglinie ist und hier ordentlich am verfügbaren Platz gespart wird. Dafür kommen wir nur drei Stunden später am Flughafen in Queenstown an. Der Landanflug ist schon spektakulär, da es zwischen Neuseelands Bergen runtergeht. Als wir aussteigen weht uns kühle, aber unglaublich frische Luft entgegen. Wir merken plötzlich, dass wir seit einem halben Jahr nicht mehr so gute Luft atmen durften und wie sehr uns das gefehlt hat.

Der Flughafen in Queenstown ist klein und so läuft die Immigration auch entsprechend schnell ab. Den Neuseeländern (auch liebevoll Kiwis genannt) eilt der Ruf voraus unglaublich freundlich zu sein. Und das sind sie wirklich.

Für die Einreise nach Neuseeland gibt es einiges zu beachten. Es dürfen keine Lebensmittel mitgenommen werden, auch Gegenstände aus Holz, Bambus, Muscheln, Knochen etc. müssen angegeben oder kontrolliert werden. Gleiches gilt für Wander- und Angelausrüstung. Das Land möchte sich vor allen erdenklichen Bakterien, Viren und dergleichen schützen. So werden meine Bambus-Strohhalme genauso inspiziert wie unsere Wanderschuhe, da sich auf diesen z.B. Blüten befinden könnten. Glücklicherweise ist bei uns alles ok und so sind wir rucki-zucki offiziell in Mittelerde. :-)

Armin besorgt sich noch schnell eine lokale Sim-Karte von Vodafon. Diese haben angeblich die beste Netzabdeckung. Sollen sie auch, denn für 10GB zahlen wir umgerechnet 40€. In diesem Punkt vermissen wir Asien dann doch. :D

Danach kümmern wir uns um unseren fahrbaren Untersatz. Die meisten Besucher bereisen Neuseeland mit einem Camper. Da zum einen die örtliche Hotellerie teuer ist und zum anderen die schönsten Plätze nicht mit öffentlichen Verkehrsmittel zu erreichen sind, ist Campen die beste Option. Wir haben uns für einen Chaser der Firma Jucy entschieden. Der Toyota ist zu einem self-contained Camper umfunktioniert, heißt er beinhaltet Toilette und Dusche, was uns ermöglicht überall (wo grundsätzlich Übernachten erlaubt ist) stehen zu bleiben. Für sechs Wochen zahlen wir 3.500€ (und das war der Frühbucherpreis. Neuseeland hat dezent andere Preisstrukturen als Asien. :D) Ein non-self-contained wäre zwar günstiger, mit diesen könnten wir aber nicht überall stehen bleiben und wären vor allem auf die zu bezahlenden Campingplätze angewiesen und das würde uns am Ende teurer kommen.

Nach einer gründlichen Inspektion unseres Campers, den wir liebevoll „Sasha“ taufen (wer es nicht kennt, er ist nach dem Roller von JD aus der Fernsehserien „Scrubs“ benannt … und ja ihr wisst ja, dass wir vielleicht ein ganz klein wenig verrückt sind :-) ). Sasha hat zwar ein paar Schrammen, uns wird aber erklärt, dass kleine Dellen nicht gerichtet werden. Nur die Scheiben müssen ok sein.

Wir verstauen unsere Rucksäcke in Sasha und schon geht es los. Neuseeland bei Kaiserwetter wartet auf uns. Es ist zwar merklich kühler als auf Bali, aber das ist uns egal. Wir strahlen beide übers ganze Gesicht als wir uns Richtung Supermarkt aufmachen, um unsere Essens-Vorräte einzukaufen. Wir haben natürlich auch einen Kühlschrank und zwei Gas-Herdplatten im Camper. Armin freut sich schon seit Wochen endlich wieder selbst kochen zu können.

Armin hat wieder einmal gründlich recherchiert und herausgefunden, dass die Kette „Pak 'n Safe“ am günstigsten sein soll. Der Supermarkt ist sehr groß und eine Mischung aus Spar und Metro. Die Preise hier sind so wie bei uns, manches ist günstiger, manches teurer. Unser erste Großeinkauf kostet uns umgerechnet 121,36€. Brot, Butter (in der 500g-Packung :D), Gewürze (endlich wieder Rosmarin), Nudeln, Reis, Müsli, Kaffee, Kakao, Honig, Marmelade, Gemüse (getrocknete Tomaten, juchu!), Obst, Milch, Tee, Essig, Olivenöl (!), Linsen, Bohnen, Wein, Bier, Putzmittel (auch eine Packung Küchenrolle geht mit, das würde meiner Mama gefallen :D) und Bio-Seife (zum Waschen in Seen und Flüssen). Wir haben so viel, dass wir erst einmal schauen müssen, wo wir alles verstauen können. Aber glücklicherweise hat Sasha auch einiges an Stauraum zu bieten. Und so kurven wir kurze Zeit später noch ein paar Mal hin und her, da Armin noch unbedingt ein Fischer-Geschäft braucht um seine Angelausrüstung zu ergänzen und sich eine Angel-Lizenz für Neuseeland zu besorgen.

Auch wenn er nicht das nötige Angelzeug findet, zumindest die Lizenz kann er online kaufen. Für umgerechnet ca. 100€ darf er jetzt im gesamten Land für ein Jahr Fische fangen. In sechs Wochen sehen wir ja, ob es sich gelohnt hat. :D

Unser erstes Ziel ist der Kingston-Campingplatz. Am südlichen Ende des Wakatipu-Sees und ca. 45 km südlich von Queenstown entfernt liegt ein schöner Platz direkt am See. Dort gibt es nicht nur die saubersten Dixi-Klos, die wir je gesehen haben (in den Klos stinkt es überhaupt nicht, sondern riecht nur nach der blauen Chemikalie, die zur Geruchsbindung verwendet wird), sondern auch einen wunderschöne Aussicht über den See und auf die dahinterliegenden Berge.

Kurz nach unserer Ankunft lernen wir ein deutsches Paar kennen, das uns sogleich mit Lebensmittel-Resten wie Käse, Wurst, Butter (als hätten wir davon nicht schon genug :D) versorgt, da sie morgen wieder abreisen. Wir revanchieren uns dafür mit einer Sim-Karte für Indonesien, da die beiden nach Bali fliegen.

Wir stoßen sogleich mit einem Glas neuseeländischen Weißwein  auf den gelungen Start unseres neuen Camper-Lebens an und Armin zaubert uns noch leckere Thunfisch-Nudeln mit Salat (oh, wie lang hatten wir keinen richtigen Salat mehr!). Herrlich. :D Danach bin ich mit Abwasch beschäftigt. Gute Rollenteilung. :D

Am Flughafen hat man uns nicht zu viel versprochen. Die Nächte werden richtig kalt. Nach Sonnenuntergang (um ca. halb neun) kühlt es ordentlich ab und wir kuscheln uns (mit dicken Decken!) in unseren Camper (in der Nacht hat es nur ca. 5 Grad). In Neuseeland beginnt der Herbst.

Im Camper schläft es sich super. Wir wachen erst gegen 9.00 Uhr auf. Wir frühstücken ausgiebig mit Müsli und Banane mit Milch, Kakao, Brot mit Honig und Kaffee. Danach begebe ich mich für eine kurze „Dusche“ in den sehr kalten Wakatipu-See. Den Rest des Vormittages verbringen wir ganz entspannt und lesen ein bisschen. Danach muss ich ins „Steine-auf-dem-See-springen-lassen-Bootcamp“. Da ich das nicht ordentlich (oder besser überhaupt nicht) kann, hat sich Armin nun vorgenommen, mir beizubringen, Steine auf der Wasseroberfläche hüpfen zu lassen. Am Ende tut uns beiden die rechte Schulter weh, ich habe mehrfach geflucht und vielleicht waren auch ein oder zwei kleine Tränen dabei, aber immerhin ein paar Steine springen lassen. Es wird wohl eine Fortsetzung des Bootcamps geben. :D

Am Nachmittag brechen wir dann auf. Da wir die nächsten Tage im Fjordland verbringen wollen und bis dahin doch einige Kilometer zurückzulegen sind, fahren wir heute nach Mossburn. Die Landschaft, die an uns vorbeisaust erinnert uns an Irland. Sanfte Hügel mit vielen Grasflächen. Neben Kühen und Damwild werden in Neuseeland hauptsächlich Schafe gehalten. Wir sehen heute mehr Schafe als es Einwohner in diesem Land gibt. :D Sie sind wirklich überall.

In Mossburn landen wir auf einem sehr kleinen Campingplatz direkt am Fluss. Hier können nur ca. drei bis vier Camper parken, dafür ist es sehr ruhig gelegen. In der Wiese gegenüber grasen Schafe. Alles ist friedlich. Armin zaubert uns noch Gemüsereis bevor wir uns mit Kuscheln gegen die Kälte schützen. :-)

Am nächsten Tag geht es dann ins Fjordland. Unser erstes Ziel ist die Stadt Te Anau und der dortige Fischer-Shop, damit Armin endlich seine Angelausrüstung nachrüstet (tolles Wortspiel :D). Die Angel aus Bali hatte nämlich eine Begegnung mit der Autotür und ist irgendwie kaputt. :-) Die Neuseeländer sind nicht nur angel- sonder auch Jagd-affin. Und so gibt es alles, was das Jägerherz begehrt. Im Shop kann man sogar eine Beretta kaufen. Dazu hängen über die "Trophäen" der Jäger rum. 

Danach geht es weiter Richtung Norden. Die Berge werden höher und auch sehen wir immer mehr Wälder. Armin meint, dass es in Wales teilweise genauso aussieht. :-) Unser Ziel heißt Lake Marian. Wir gehen nämlich heute wandern!

Der Marian-See ist ein kleiner Gebirgssee, der in einer ca. 1,5-Stunden-Wanderung leicht zu erreichen ist. Wir spazieren einige Minuten an einem schönen, türkisfarbenen Fluss entlang und wandern dann durch einen schönen Wald. Alles wirkt sehr mystisch, da die Bäume größtenteils mit Moos bewachsen sind.

Der Marian-See ist wunderschön. Ein grün-blauer Spiegel umgeben von ca. 2.500-Meter hohen Bergen, an denen noch Schnee hängt. Wir gehen noch ein gutes Stück vom Touristen-Spot weg und stürzen uns dann in die Fluten. Ok, nein, nicht ganz. Armin stürzt sich überraschenderweise ungestüm in den See während ich drei Mal für ca. 30 Sekunden eine kleine Runde schwimme. Das Wasser ist so kalt, dass es brennt. Nein, es brennt nicht nur, man hat das Gefühl, einem würden Hände und Füße abfrieren. Aber Armin bleibt hart und so schwimmt er sicher 15 Minuten herum und amüsiert sich darüber wie erstaunt ich bin, dass er das aushält (für alle, die es nicht wissen: Normalerweise bevorzugt Armin Thermaltemperaturen. In österreichische Seen, vor allem dem Traunsee, geht er äußerst selten und auch im Meer findet man ihn nicht oft. So war er z.B. auf der Reise nur in Thailand im Meer schwimmen, in Malaysia war es im zu kalt. :D).

Wir lassen uns noch von der Sonne trocknen bevor wir merken, dass es bereits fast 17.00 Uhr ist. Es wird nämlich schon vor Sonnenuntergang richtig frisch hier und so machen wir auf den Rückweg. Sasha bringt uns dann zum nächsten Campingplatz. Da es im gesamten Fjordland keine kostenlosen Campingplätze gibt, müssen wir hier bezahlen. 13$ pro Person (umgerechnet ca. 9€) ist aber vertretbar. Heute zaubert uns Armin Faschierte Leibchen aus Hirschfleisch (in Neuseeland gibt es Wild in jedem Supermarkt) und Bratkartoffeln. Herrlich. Dafür ernten wir neidische Blicken von unseren kanadischen Camper-Nachbarn. :D

Wir verziehen uns nach dem Abendessen aber schnell in unseren Camper, da der Wind so stark bläst, dass man es nicht mehr draußen aushält. Mal sehen, ob es morgen besser wird.

Comments


Barbara Hofer 03.12.2019

Souuuuuu schiannnnn,lotz enk guat gian,Bussi

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