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Auf Weintour

Auf Weintour

Heute geht es endlich zur Wein-Tour. In einer Stunde geht es von unserer schönen Bucht in den kleinen Ort Renwick, in dem ca. ein Dutzend Weingüter so gut wie nebeneinander liegen. Die Neuseeländer sind ja in Sachen Tourismus wirklich top und so gibt es in der Umgebung gleich drei Unternehmen, die Räder verleihen, die bequemste Art von Weingut zu Weingut zu pilgern und die Weinverkostung zu genießen.

Unseren Camper parken wir inzwischen auf dem Parkplatz beim Rugbyballfeld, der zugleich auch Campingplatz ist. Dort machen wir noch ein schnelles verspätetes Frühstück, bei dem es uns fast von der Bank weht. Wird lustig bei diesem Wind heute Rad zu fahren. :D

Unsere Räder holen wir bei Bike&Wine für umgerechnet 18€ pro Person ab (und ja, das ist der günstigste Anbieter; die Neuseeländer wissen schon wie sie Geld machen können, das muss man ihnen lassen) und schon kann es losgehen. Da es schon nach 12.00 Uhr ist und die Weingüter allesamt bereits um 16.30 Uhr schließen müssen wir uns beeilen.

Die Weinproben laufen hier etwas anders ab als in Österreich oder Südtirol. Da man hier eine Touristen-Aktivität daraus gemacht hat, zahlt man für ein Tasting durchschnittlich 1$ pro Glas. Meist bekommt man fünf oder sechs Weine vorgesetzt. Kauft man eine Flasche, bekommt man das Geld auf den Preis gutgeschrieben.

Wir schaffen fünf Weingüter. Immerhin. Und überall gibt es Weine, die wir gerne mitnehmen würden. :D Überraschenderweise hat man in Neuseeland auch angefangen Gewürztraminer anzubauen, der in den meisten Weingüter sehr gut schmeckt. Der ist nämlich normalerweise nicht ganz mein Fall. Ich bin hingegen von dem neuseeländischen Riesling schwer begeistert, da dieser wesentlich süßer ist als bei uns. Und ich mag süß. :-) Armin (im Gegensatz zu mir nicht nur Weintrinker sondern auch Weinkenner) lacht da meist nur und meint: „Klar, dass dir der schmeckt.“ :D

In einem Weingut finden wir sogar einen Grünen Veltliner und zwar den besten, den wir je getrunken haben. Als wir der Dame hinterm Tresen erklären, dass dieser Wein bei uns meist als Spritzwein hergenommen wird, bekommt sie fast einen Herzinfarkt. :D

Die Weinguter sind mal größer, mal kleiner. Manche lesen die Trauben mit der Hand, andere maschinell. Manche verkaufen nur ab Hof, andere im großen Stil. Aber überall gibt es guten Wein und nette Menschen. In einem Weingut (mit schönem Keller) werden es dann sogar neun Weine und nicht nur fünf. Der netten Kellnerin Helen macht das aber nichts aus. Wir unterhalten uns mit ihr über Wein und Essen und irgendwann bietet sie uns an, morgen doch bei ihr vorbeizukommen, dann können wir frischen Rosmarin aus ihren Garten haben. Die Einladung nehmen wir gerne an. Neuseeländer sind einfach nette Menschen. :-)

Diese wirklich tolle Weintour wollen wir unserem edlen Spender Josip Mestrovic widmen und bedanken uns mit einem "Prost" für die Spende. Alles Liebe nach Oberösterreich. 

Leider vergeht die Verkostungstour viel zu schnell. Deshalb besorgt uns Armin im nahegelegenen Supermarkt noch schnell zwei Flaschen Wein für den Abend und so genießen wir unsere zweite indische Fertigsoße mit Couscous und Wein am Parkplatz (die Soße ist leider auch nicht besonders toll.). Offensichtlich hatten wir heute Glück mit dem Wetter, denn es wird sehr windig und so müssen wir die zweite Flasche dann leider schon im Auto trinken, weil es draußen zu kalt wird. :-)

Der neue Morgen bringt auch schon den letzten Tag auf der Südinsel. Heute geht es in den Norden des Landes: Wir fahren mit der Fähre nach Wellington. Inzwischen hat Armin offensichtlich ein neues Hobby: Der Welt zu zeigen, wie ich in der Früh aussehe. :D (Ja, ich hab die Haare schön…:D)

Aber zuvor waschen wir endlich wieder einmal unsere Kleidung, tanken unseren durstigen Sasha und holen uns die versprochenen Rosmarinzweige von Helen aber. Wie diese duften…mmmhh! :-)

Dann geht aus rauf nach Picton, von wo die Fähren auf die Nordinsel starten. Ich finde die Abläufe in großen Häfen immer ganz spannend und freue mich entsprechend, als wir mit dem Camper durch den Check-In fahren und uns einreihen dürfen. Bevor wir auf die Fähre auffahren, besucht uns noch ein Herr der neuseeländischen Wasserschutzbehörde. Man möchte hier nämlich verhindern, dass Algen aus den Gewässern der Südinsel auf die Nordinsel verschleppt werden. Als er hört, wie Armin schön brav seine Angelutensilien gereinigt hat, ist er hellauf begeistert und meint, dass viele Einheimische nicht so vorbildlich agieren würden wie mein Mann. :-)

Die Fahrt von Picton nach Wellington kostet uns dank eines Gutscheins, den wir von unseren französischen Austern-Liebhabern bekommen haben umgerechnet nur 150€ anstatt 190€. Die Überquerung der Cookstraße, die nach dem Seefahrer James Cook benannt wurde dauert ca. drei Stunden. Die Fähre der Bluebridge-Gesellschaft ist zwar groß, die Fähre vor uns aber noch größer. Ich bin ganz begeistert (offensichtlich liebe ich große Schiffe). Wir sitzen in einem großen Restaurant und genießen die Fahrt. Für Leute, die es gerne bequemer haben wollen, gibt es auch Kabinen in diversen Größen. Außerdem gibt es einen Spieleraum für Kinder und ein kleines Kino.

Zunächst fahren wir durch die Fjorde der Marlborogh Sounds. Es ist windig und immer wieder kreuzt eine Regenwolke unseren Weg, aber die Fahrt ist traumhaft. Wie immer sieht es etwas aus wie in Irland. :-)

Wirklich überrascht sind wir dann aber von dem Essen am Schiff, das im Gegensatz zum üblichen „Flugzeugessen“-Stil sehr gut schmeckt. Für mich gibt es Nachos und für Armin klassische Fish&Chips. Unser lieber Tobi Röll, der sich gerade auf einem Kreuzfahrtschiff mit (laut seiner Aussage unglaublich schlechtem Essen) befindet, bekommt natürlich ein Foto davon. :D

Als wir ca. drei Stunden später die Bucht von Wellington einfahren, muss man sich draußen an Deck festhalten, um nicht davon geweht zu werden, so windig ist es. Um überhaupt die Türe zum Außendeck aufzubekommen, muss ich mich dagegenwerfen. :D

Wellington heißt uns leider mit tiefen, dunklen Wolken und starkem Wind willkommen. Bis wir die Fähre mit dem Camper verlassen und es schaffen aus dem Hafen zu fahren, ist es mittlerweile nach 18:00 Uhr. Die uns bevorstehende Campingplatz-Suche wird schwierig.

Wellington bietet nämlich nicht viele Möglichkeiten für Camping-Übernachtungen. Der größte kostenlose Campingplatz an der Evans Bay Marina verfügt zwar über ca. 50 Stellplätze auf einem Parkplatz, aber um diese Uhrzeit muss man sich auch in der Nebensaison keine Hoffnungen mehr machen. Etwas weiter von der Stadt entfernt, wunderschön an der Küste gelegen (wegen dem Zeitdruck machen wir leider keine Fotos, aber der Ausblick auf das Meer ist unglaublich), gibt es noch einen weiteren Campingplatz, den letzten der lediglich elf Plätze schnappen uns aber knapp zwei junge Mädchen weg. Warum an dem großen Parkplatz nur ca. ein Viertel von Campern belegt werden darf, wenn alles andere frei ist, ist uns nicht klar.

Um keine 140€-Strafe zu riskieren fahren wir weiter. Wir sind etwas enttäuscht. Wir haben das Gefühl, dass man selbst self-contained Camper in Wellington nicht haben will. Mangels vieler anderer Optionen fahren wir tatsächlich noch 30km weiter in den Norden. In einem der Vororte gibt es an einer Meeresbucht gelegen doch noch einige Campingplätze.

Dafür dürfen wir endlich (wieder) einmal Autobahn fahren. Neuseelands Straßen sind nämlich meist mit unseren einspurigen Landstraßen zu vergleichen und sehr selten doppelspurig. Durch Wellington rauf in den Norden zu den Vororten führt aber ein gut ausgebauter Highway, der uns in einer halben Stunde zum gewünschten Campingplatz führt.

Dort ist es genau so windig wie in der neuseeländischen Hauptstadt. Wir parken uns zwischen die zwei größten Camper, in der Hoffnung, etwas windgeschützt zu sein. Da man draußen aufgrund des starken Windes kaum stehen kann, verlassen wir Sasha heute nicht mehr und kuscheln uns bald ins Bett.

Die Nacht verläuft für mich sehr bescheiden. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so schlecht geschlafen habe. Sasha wackelt ordentlich und auch wenn mir mein Verstand klar macht, dass wir nicht umkippen werden, habe ich trotzdem große Angst. Der Wind pfeift mit einem Gebrüll zwischen den Campern durch, dass ich die halbe Nacht nicht schlafen kann.

Am Morgen ist es kaum besser, wie ihr an meinen Haaren sehen könnt:

Wir fahren also zurück in die Stadt. Zum ersten Mal überhaupt in diesem Land sehen wir Hochhäuser. Also damit meine ich „hohe Häuser“. Normalerweise würde ich acht Stockwerke nicht unbedingt als Hochhaus bezeichnen, aber für ein Land, das in einer Erdbebenzone liegt, ist jedes Stockwerk schon ein Wagnis.

Am Hafen gibt es übrigens eine Art „Windnadel“. Dieses riesige Ding schwenkt bei jeder starken Windböe hin und her.

Da das Wetter ohnehin nicht sehr einladend ist, haben wir heute ein Indoor-Programm geplant. Wir besuchen die Weta Workshops. Für all jene, bei denen es nun nicht klingelt: Weta Workshops ist jenes Unternehmen, das für die Special Effekts, Kostüme, Requisiten & Co. in den „Herr der Ringe“- und den „Hobbit“-Filmen verantwortlich war. Neben einer Studio-Tour, gibt es eine eigenen „Weta Cave“, die beinahe ausschließlich aus „Mittelerde“-Fanartikeln besteht. Aber auch Kostüme und Originalkarten aus dem Film sind ausgestellt. Wer möchte, kann ganz viel Geld liegen lassen uns sich für mehrere hundert Euro ein Schwert oder Gandalf’s Stock kaufen. Auch die handbemalenen Sammelfiguren kosten ein Vermögen, sind aber zum Teil schon vergriffen. Und ja, es gibt tatsächlich Fans (Freaks klingt immer so böse), die sich drei ca. 20cm-große Figuren um über 200€ daheim aufstellen. So hat halt jeder seine Ersatz-Religion. :-)

Die Studio-Führung dauert ca. 50min und kostet umgerechnet 15€ pro Person. Unser Guide ist quasi im Studio groß geworden, da seine Eltern schon zu einer Zeit für das Studio von Peter Jackson gearbeitet haben als dieser noch Splatter-Horror-Filme drehte. Zitat des jungen Herren: „Ja, meine Kindheit war eigenartig.“. Und für alle Nicht-Nerds unter euch: Sir Peter Jackson machte sich vor allem mit Horrorfilme mit verrückten Geschichten einen Namen, bevor er das Fantasy-Film-Genre quasi revolutionierte und mit der Trilogie einen bisher unerreichten Maßstab setzte. (Und nein, das war jetzt nicht zu dick aufgetragen. :D)

Leider dürfen wir bei der Studio-Tour keine Fotos machen, aber wir sehen einige Requisiten aus diversen Filmen und bekommen unter anderem erklärt, wie die Helme der Zwerge aus den Mittelerde-Filmen gemacht wurden. Die Helme werden aus einem besonderen Kunststoffmaterial ausgegossen und dann entsprechend von Hand bemalt. Im Inneren befindet sich eine Vorrichtung wie bei einem Bauarbeiterhelm, so dass er auf dem Kopf des Schauspielers gut sitzt. Damit dieser auch nicht vergisst, dass er so tun soll als hätte er einen schweren Metallhelm auf, werden im Helm zusätzliche Gewichte montiert. Um die Schrammen hinzubekommen, damit der Helm auch wirklich echt aussieht, wird einfach damit Fußball gespielt. :D Coole Idee.

Außerdem dürfen wir dem hauseigenen Waffenmeister noch bei der Arbeit zu sehen. Und ja, die bei Weta haben tatsächlich einen eigenen Waffenschmid. Naja, wo auch sonst bekommt man Zwergen-Äxte oder Elben-Klingen her. Da dieser sich aber schön langsam in den Ruhestand absetzten möchte, arbeitet er gerade seinen Nachfolger ein. Dieser ist vor einigen Jahren bei einer Comic Convention mit den Jungs von Weta „versumpft“, danach hatte er bei ihnen einen Job und zog von England nach Wellington. So einfach geht’s. :-)

Zum Abschluss bekommen wir noch eine kurze Vorführung eines Mitarbeiters, der für die Erstentwürfe der 3D-Modelle verantwortlich ist. Er sieht nicht nur aus wie Doc Brown aus den „Zurück in die Zukunft“-Filmen, er redet auch genauso. Er ist unter anderem für das Maskendesign zuständig und zeigt wie er vorgeht. Und zwar mit Alufolie. Er drückt und glättet an einem Alufolienball rum während er wie ein Wasserfall von seinen bisherigen Erlebnissen erzählt. Die Vorstellung ist durchaus amüsant und obwohl er meint eigentlich beim Lunch sein zu müssen, plaudert er noch weiter mit uns. Lustiger Kerl.

Weta präsentiert sich bei der Führung als junger, kreativer Haufen, in dem hautsächlich Film-Nerds arbeiten, die sich einen Großteil ihrer Fähigkeiten selbst beigebracht haben. Wie viel davon tatsächlich zutrifft und wie viel Selbstinszenierung ist, können wir nur erahnen. An Leidenschaft und Stolz auf das bisher Geleistete fehlt es aber niemanden hier.

Nach der Tour machen wir uns auf zum Campingplatz an der Evans Bay und werden diesmal fündig. Wir parken wieder zwischen zwei größeren Campern, in der Hoffnung, dass diese Nacht etwas ruhiger wird. Danach machen wir uns auf mit dem Bus ins Stadtzentrum. Als Österreicher in Neuseeland zu reisen bedeutet auch ein bisschen ein schlechtes Gewissen zu bekommen. Warum? Die Menschen hier sind viel netter als wir, z.B. bedanken sich die Menschen beim Busfahrer wenn sie aussteigen. Wieso machen wir sowas eigentlich nicht?

Unser Ziel ist das Parlament. Dort werden nämlich kostenlose Führungen angeboten, die auch einen kurzen Besuch im Sitzungssaal des Maori-Komitees, dem Maui Tikitiki a Taranga, beinhalten soll. Leider werden wir enttäuscht. Aufgrund des Christchurch-Attentats sind die Führungen bis auf weiteres eingestellt. Am Eingang kann man uns leider nicht sagen, wann wieder Führungen geplant sind. Sehr schade, von außen sieht das Gebäude nämlich nett aus.

Da es mittlerweile immer stärker regnet machen wir uns auf in das nahe gelegene „Museum of Wellington City & Sea“. Hier wird tatsächlich kein Eintritt verlangt. Das finden wir sehr cool, denn Museen sollten für jedermann zugänglich sein. Der untere Bereich ist wie ein kleines Hafen-Warenlager gestaltet und man erfährt wichtige Ereignisse der Stadt (z.B. zu Streiks, zu einem Schiffsunglück, das Eintreffen amerikanischer Soldaten zur Vorbereitung bei den Weltkriegen usw.).

So richtig spannend ist es nicht, aber zum Schluss gibt es noch eine kurze „Theater“-Vorführung zu einer Maori-Legende. Auf eine kleine Bühne werden die Schauspieler auf eine Glasfläche projiziert, wodurch der Anschein erweckt wird, es wären Hologramme. Ich finde die Idee spitze, habe ich so nämlich noch nie gesehen.

Und Armin hat Freude an einer kleinen Teslaspule. :-)

Danach fahren wir zurück zum Campingplatz. Der Wind hat mittlerweile nachgelassen und so wird der Abend viel ruhiger als der gestrige. Diesmal werde ich wohl besser schlafen.

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