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Beim Gletscher des Kaisers

Beim Gletscher des Kaisers

Wir haben einen Fisch! Der neue Morgen bringt nicht nur Wolken, sondern auch eine ziemlich große Forelle. Armin hat nämlich über Nacht seine beiden Angelrouten in den See hängen lassen. Sichtlich stolz präsentiert er seinen Fang.

Das Töten und Ausnehmen übernimmt diesmal mein Profi-Angler während ich Fotos davon mache. :D

Das Abendessen für heute ist somit gesichert. Wunderbar. Ich freu mich schon darauf. Der Fisch wird sicher hervorragend schmecken.

Nachdem der Fisch im Kühlschrank seine vorübergehende Bleibe gefunden hat, geht es für uns Richtung Westküste weiter. Die Straße führt zwischen Wanaka-See und Hawea-See entlang über den Haast-Pass.

Ob sich der niedrigste Straßenübergang der neuseeländischen Alpen mit seinen 563 Höhenmetern überhaupt die Bezeichnung „Pass“ verdient hat sei dahingestellt. Kaum kommen wir den Bergen näher schlägt auch das Wetter um. Es beginnt zu regnen und hört nicht mehr auf.

Ca. 150km später in Haast angekommen (dem ersten „größeren“ Ort auf der Strecke; wir würden eher „Kaff“ dazu sagen :D) erkundigen wir uns bei der lokalen i-Site betreffend Free Camping. Tatsächlich ist es an der Westküste überall erlaubt mit einem self-contained Camper stehen zu bleiben, wo es nicht ausdrücklich verboten ist. Der Regen wird heute offensichtlich nicht mehr aufhören und auch für die nächsten Tage ist keine Besserung zu erwarten. Wir ärgern uns gerade, dass wir trotz dieses Wissens hierher gefahren sind.

Weil auf der Strecke keine netteren Campingplätze liegen und wir ohnehin nicht genau wissen, was wir bei dem Wetter anfangen sollen, fahren wir einfach weiter nach „Fox Glacier“. Der kleine Ort, der nach seinem berühmten Gletscher benannt ist, liegt eine weitere Stunde Fahrt über kurvige Bergstraßen durch Regenwald (wieder einmal nomen est omen) von Haast entfernt. Das Besondere an dieser Region und warum sie zu den touristischen Highlights des Landes zählt, ist Nahverhältnis von Gletscher, Regenwald und Meeresküste, das man so sonst nirgendwo auf unserem schönen Planet findet.

In Fox Glacier angekommen, regnet es überraschenderweise nicht mehr. Es ist zwar nass, aber zumindest kommt gerade nichts von oben. Da die Straße zum Gletscher ohnehin bis auf weiteres gesperrt ist, beschließen wir die Trockenphase ausnutzen und einen kurzen Spaziergang zum Aussichtspunkt des Gletschers zu machen, damit wir nicht ganz umsonst hier sind. Ein gut ausgebauter Weg führt durch den Regenwald zu einer kleinen Lichtung, von der wir trotz tiefhängender Wolken einen guten Blick auf den Gletscher haben.

Der Fox Gletscher hat eine Gesamtlänge von ca. 13km und reicht von 3.500 bis auf 300 Höhenmeter herunter. Er ist benannt nach dem neuseeländischen Premierminister William Fox, der der Region 1872 einen Besuch abstattete.

Wenig überraschend, beginnt es wieder zu regnen und wir nehmen Reißaus. Als nächstes starten wir dem Lake Matheson noch einen Besuch ab, in dem sich an schönen Tagen der Aoraki im See spiegeln soll. Außer Regen und tief hängenden Wolken sehen wir aber hier nichts. Dafür gönnen wir uns Tee bzw. Kaffee mit leckeren Kuchen im örtlichen Café, wenn hier schon sonst nichts zu tun ist.

25km weiter liegt der nächste Gletscherort zu dem wir heute ungeplanterweise doch noch fahren, Franz Josef Glacier. Und ja, Ort und Gletscher sind tatsächlich nach dem Habsburgerkaiser benannt. Kurz vor der Ortseinfahrt finden wir einen kostenlosen Campingplatz, der vom Grundbesitzer (gegen freiwillige Spende) errichtet wurde. Es gibt eine Stelle für Lagerfeuer und ein Abwaschbecken mit fließend Wasser, welches sich aber aufgrund des starken Regens eher erübrigt. :D

Weil wir so nett sind, schenken wir dem einsamen Franzosen, der neben uns in seinem kleinen Auto den Regen „genießt“, eine Flasche Bier. Etwas peinlich berührt, weil er nur in Shirt und Unterhose auf der Rückbank sitzt da alles andere nass ist, aber sehr erfreut, nimmt er das Geschenk dankend an.

Gegessen wird heute aufgrund der äußeren Umstände im Camper. Armin zaubert eine hervorragende Forelle auf den Tisch mit Kartoffeln und Melanzane als Beilage. Weißwein darf natürlich auch nicht fehlen. :-)

Es sieht nur toll aus, sondern schmeckt aus entsprechend. Danach darf Armin mir wieder einmal Stunde Unterricht in Schach geben.

Der nächste Morgen sieht vielversprechend aus. Es regnet nicht, juchu! Die letzten Wolkenreste hängen noch in den Bäumen, aber sonst scheint einer Wanderung zum Franz Josef Gletscher nichts im Wege zu stehen.

Wir fahren sogleich los, entlang eines noch vom Morgendunst dampfenden Flusses, der sich an mit roten Moss überzogenen Steinen vorbeischlängelt. Wir frühstücken (eine Pancake-fertig-Backmischung die überraschenderweise ganz ok ist, weil wenig süß) erst am Parkplatz des Talweges auf den sich schon mehr Autos und Busse tummeln, als erwartet. Woher kommen die bei dem Wetter nur alle?

Wir haben schon mehrfach gelesen, dass die 1,5-stündige Kurzwanderung zum Gletscher und retour sehr überlaufen sein soll. Unsere Hoffnungen, dass in der beginnenden Nebensaison bei schlechtem Wetter nicht ganz so viel los sei, schwinden schnell. Aber nachdem wir ein paar Spanier überholt haben, die sich so laut unterhalten, dass man sie problemlos auch zuhause hört, wird es besser. :D

Der Weg ist einfach und zieht sich durchs gesamte Gletschertal. Immer wieder stehen Schilder die veranschaulichen, wie weit der Gletscher früher einmal gereicht hat. 1908 reichte er noch über das gesamte Tal. Seitdem wird sein Rücklauf Meter für Meter dokumentiert.

Der Ausblick des immer näherkommenden Gletschers ist wirklich toll und die Landschaft herum wunderschön. Zahlreiche Wasserfälle tauchen zwischen den Bergen auf und neben uns plätschert ein Bach aus Gletscherwasser schön vor sich hin. Die mit Moss bewachsenen Steine erinnern mich etwas an die Steintrolle aus „Frozen – die Eiskönigin“. (Anmerkung Armin: Häää???)

An einer Stelle müssen wir den Bach überqueren. Obwohl die ortsansässigen Rangers den Weg jeden Tag begutachten und mit Steinen immer wieder einen Weg über den Bach „bauen“, ist dieser natürlich aufgrund der Strömung nicht stabil. Anstatt so wie so ziemlich alle anderen Touristen blöd rumzustehen und sich zu fragen, was man denn nun macht, ist Armin einfach ein Mann der Tat, packt den nächsten Stein und baut einen neuen Weg. So einfach kann es manchmal gehen. :-)

Beim Gletscher angekommen ist es merklich frischer als noch vor wenigen Minuten. Das „ewige“ Eis hängt wirklich wenige Meter von uns entfernt. Ähnlich wie beim Rob Roy Gletscher fließen zahlreiche Wasserfälle von ihm hinab.

Da das Wetter immer besser wird sind auch die obligatorischen Hubschrauber-Rundflüge mittlerweile gestartet. Früher konnte man den Gletscher noch bewandern, heute dürfen nur mehr Helikopter an ausgewählten Stellen auf ihm landen. Ein 20-Minuten-Rundflug kostet umgerechnet 120€ pro Person. Mit Gletscherlandung schon 250€. Wenn es so viel wert ist, ok… :D

Mittlerweile scheint die Sonne und wir schlendern gemütlich zu unserem Camper zurück.

Nun darf ich mal wieder das Steuer übernehmen und fahre uns ganze 170km weiter in den Norden. So viel gibt es nämlich leider auf der Westküste nicht zu erleben, schon gar nicht bei Schlechtwetter. Denn die Sonne hat sich nur beim Franz Josef Gletscher blicken lassen, wenige Kilometer später regnet es wieder und es will nicht aufhören.

Armin hat einen kostenlosen Campingplatz bei Greymouth, der größten Stadt in der Region, ausfindig gemacht. Hier parken wir bei etwas windigen Verhältnissen in der ersten Reihe zum Meer. Hin und wieder blinzelt die Sonne zwischen den Wolken hervor, was dem Ambiente eine fantastische Stimmung verleiht.

Die raue See verdient hier ihren Namen und so finden wir auch Surfer, die sich in die Wellen stürzen. Wir hingegen entspannen uns bei Bier und Cider endlich außerhalb unseres Campers, da es glücklicherweise aufgehört hat zu regenen. Armin zaubert leckeres Rindssteak mit Röstkartoffeln auf unsere Teller und wir genießen den Abend.

Da wir endlich wieder ordentlichen Empfang haben telefoniere ich mit meinen Eltern bevor Armin mich wieder beim Schach besiegen darf. :-)

Wir überlegen noch ob wir morgen wirklich wieder zur Ostküste fahren sollen, oder gleich über die Westküste zum Abel-Tasman-Nationalpark in den Norden. Arber irgendwie finden wir keine spannenden Aktivitäten auf der Westseite und so bleiben wir bei unserem ursprünglichen Plan, morgen nach Christchurch zu fahren.

Am nächsten Tag besuchen wir zuerst Armins neues Lieblingsgeschäft – „the Warehouse. Das Warehouse ist so eine Art „do-it-yourself“-Laden (nur in riesengroß) wo man neben Heimwerkersachen, Elektronik, Bekleidung, Spielzeug usw. alles bekommt, was man so gelegentlich braucht (oder eigentlich nicht braucht und dann trotzdem kauft). Unter anderem gibt es auch Angel-Ausrüstungen. In diesem Fall haben wir schwer überlegt das Einhorn mitzunehmen...aber leider würde das in Sasha doch erheblich Platz wegnehmen. :D

Armin benötigt immer wieder neue Haken, Bleie und dergleichen, welche man hier sehr günstig erwerben kann. Denn wir fahren natürlich nicht in einem Zug an die andere Seite der Insel. Dazwischen bietet der ein oder andere See ja die Möglichkeit wieder einmal einen Fisch an Land zu ziehen. :-)

Zunächst schauen wir aber bei einer alten Kohlemine vorbei, die am Weg liegt. Oder besser gesagt, was davon übrig geblieben ist. Die Brunner Mine ist bereits seit dem Zweiten Weltkrieg geschlossen. 1896 ereignete sich hier Neuseelands schwerstes Grubenunglück mit 69 Toten. Heute ist nur mehr wenig von der Mine erhalten wie z.B. die alte Brücke, die aber nur für Fußgänger zugelassen ist.

Wir spazieren ein bisschen umher und ich stell mich wieder einmal sehr geschickt an als ich auf eine Lore klettere. :D

Danach will Armin seinen Fischertalent wieder unter Beweis stellen und wir halten am Lake Brunner. Die Sonne scheint, es ist sommerlich warm und in der Gegen ist wenig los. Ein idealer Stopp.

Während Armin an seinen beiden Angeln rumbastelt genehmige ich mir wieder einmal eine See-Dusche im warmen Wasser. Leider ist die Strömung beim „Abfluss“ stark genug um eine Schwimmrunde vor Ort zu verhindern.

Dafür taucht Armin auf einmal mit dem hier auf:

Ja, er hat tatsächlich einen Aal gefangen! :-) Etwas verdutzt starren wir beide auf das schlangenartige Lebewesen, das gerade wie wild vor uns rumzappelt. Aal haben wir nicht erwartet, da weder auf der offiziellen Homepage des Fischereiministeriums noch auf anderen Homepages davon gesprochen wird (wir werden aber rausfinden, dass sie Viecher hier sehr weit verbreitet sind :-) ).

Da ich keine Ahnung habe, wie All schmeckt und Armin von seinen Erfahrungen mit Aal in Aspik in Norddeutschland etwas abgeschreckt ist, beschließen wir, ihn wieder frei zu lassen. Das ist aber leichter gesagt als getan. Das Viech ist nicht nur groß, sondern auch stark – und super-glitschig! Wir müssen unsere Hände vorher in Schotter „einreiben“, um das Tier zu zweit halten zu können während Armin versucht ihm den Hacken wieder aus dem Maul zu ziehen. Der Aal, den wir inzwischen (wie könnte es anders sein) auf den klingenden Namen „Aalbert“ getauft haben, wehrt sich mit aller Kraft. Der Haken sitzt zu tief, Armin gibt irgendwann auf. Auf einmal bewegt sich Aalbert nicht mehr und liegt wie tot am Boden. Das tut uns leid, wir wollten ihn ja wieder freilassen. :-(

Da Aale wirklich schleimig sind waschen wir uns sogleich die Hände. Und da Aalbert das zeitliche gesegnet zu haben scheint, bringt Armin ihn mit, um ihn pfannenfertig zu machen. Aber denkste. Kaum kommt Aalbert in Kontakt mit Wasser, ist er wieder quicklebendig und nicht mehr zu halten. Von wegen tot. Das Biest hat sich nur tot gestellt und schwimmt nun fidel davon… Nachdem wir uns kurz verdutzt anschauen, beginnen wir beide zu lachen.

Da es uns hier so gefällt und das Wetter einfach fantastisch ist,  beschließen wir eine Nacht am nahgelegenen Campingplatz zu verbringen, der zu unserem Glück auch noch kostenlos ist. Der Platz ist wunderschön zwischen zwei kleinen Strandbuchten am See gelegen. Armin positioniert sogleich seine beiden Angeln in der Hoffnung heute nicht nur einen Aal, sondern auch eine Forelle zu fangen.

Ich verbringe den Rest des Tages mit der Recherche für die Nordinsel und etwas Yoga am See. Dabei werde ich leider wieder einmal von Sandflys aufgefressen. Abartige kleine Biester. Die können einem das Leben hier wirklich schwer machen!

Da es leider bis jetzt nichts mit der erhofften Forelle geworden ist, gibt es heute einmal ein typisches Backpacker-Abendessen: Nudeln. :-) (Es sollte ja welche geben, die sich von beinahe nichts anderem ernähren. :D)

Kurz vor Sonnenuntergang macht Armin dann doch noch einen Fang. Wieder ein Aal! Wie viele von denen gibt es in diesem See denn bitte?

Er ist aber wesentlich kleiner als der Fang vom Vormittag und so hört er sogleich auf den Namen „Aalbrich“. Dieser  wehrt sich aber durchaus wie sein großer Bruder. Wir beschließen auch ihn wieder in den See zurückzubringen, da er die gesetzliche Minimalgröße für die Pfanne nicht erreicht.

Wir genießen noch einen wirklich schönen Sonnenuntergang am See bevor wir uns aufgrund des aufkommenden kalten Windes in unseren Camper zurückziehen und uns auf eine kuschelige Nacht freuen. Morgen heißt es etwas früher aufstehen, um den weiten Weg nach Christchurch anzutreten.

Comments


Barbara Hofer 03.28.2019

christchurch,aupassn ess zwoa:(:(ober sischt geatz enk sou guat,frei mi für enk,und nou tolle Abenteuer,Bussi und DANKE fü die tollen Berichte!glg

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