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Cat Ba und die Halong-Bucht

Cat Ba und die Halong-Bucht

Wir lassen Hanoi fürs erste hinter uns und fahren nach Cat Ba. Das ehemalige Fischerörtchen ist inzwischen bei Touristen sehr beliebt, aber bei weitem nicht so bekannt wie die Orte rund um die berühmte Halong Bucht. Unser Busunternehmen holt uns pünktlich ab, kutschiert uns mit einem kleinen Bus durch die Stadt und verfrachtet uns wenig später in einen größeren Bus. Die Fahrt ist ruhig und komfortabel und ca. zwei Stunden später stehen wir auch schon an einem Hafen, um auf ein kleines Schiff zu wechseln. Nur 5 Minuten brauchen wir, um auf die andere Seite überzusetzen und Raphaela und ich sind uns einig, dass man hier dringendst eine Brücke bauen sollte. :-)

Auf der anderen Seite wartet schon der nächste Bus und 40 Minuten später stehen wir vor unserem Hotel. So schnell geht’s. Wir haben uns im Hai Son eingemietet. Das 38 Quadratmeterzimmer mit Balkon, Meerblick und Frühstück kostet schlappe 7,50€ pro Nacht und macht einen guten Eindruck. Nur mit der Hochzeit im Hotel anbei hatten wir nicht gerechnet. Mit gefühlten 150 Dezibel dröhnt Karaoke-Sound aus den 80ern aus riesigen Boxen und wir befürchten bereits eine unruhige Nacht. Unser Hotelier beruhigt uns allerdings und versichert, dass das Spektakel um spätestens 22:00 Uhr vorbei sei (und erst am kommenden Tag um sieben am Morgen wieder losgeht :-) ). Anschließend spazieren wir in die Stadt. Oberhalb des Zentrums gibt es eine Aussichtsplattform mit einem alten Fort, von dem sich perfekt der Sonnenuntergang beobachten lässt. Und um raufzukommen folgen wir der Empfehlung des Schildes und mieten einen Scooter.

Der Sonnenuntergang ist wirklich schön und wir genießen die Blicke aufs Meer.

Außerdem lernen wir zwei Südtiroler aus Villnöss kennen (der Dialekt ist unverkennbar). Und wie es auch anders sein kann, kennen wir wiedermal dieselben Leute. Sie erzählen auch von ihrer ersten Tankfüllung in Vietnam. Schlappe 15€ für zwei Liter, weil sie sich beim Straßenverkäufer (viele verkaufen hier Sprit in Literflaschen) nicht erst nach dem Preis erkundigt und sich dann von den Drohungen einschüchtern haben lassen. Wir sind doch etwas amüsiert. :-)

Nach dem Sonnenuntergang suchen wir ein nettes Fischlokal und lassen uns mit Muscheln, Garnelen und frischen Fisch verwöhnen. Und damit nicht genug, will Raphaela nachher auch noch Kuchen. Was Madam will, bekommt sie und wir besorgen noch Mangoschnitte und Bananenhalbgefrohrenes (der Pancake-Schuppen in den wir eigentlich wollten, hat keine mehr).

Dann verziehen wir uns ins Bett, freuen uns, dass die Musik wirklich schon aus ist und schlafen bald ein.

Für den kommenden Tag haben wir eine Bootstour gebucht, um die Lan Ha und die Halong Bucht zu erkunden. Es geht früh los und wir sind froh darum, denn es schallt tatsächlich bereits um 7:00 Uhr Technosound aus den Boxen der Hochzeitsgesellschaft. Umso glücklicher sind wir, als wir um acht abgeholt werden und bald schon mit ca. 20 anderen Gästen auf unserem Schiffchen sitzen. Dann geht es los zur Erkundung der Naturschönheiten, auch wenn das Wetter ein bisschen sonniger sein könnte. Erst geht es durch die Lan Ha-Bucht. Die weniger touristische kleine Schwester der berühmten Halong Bucht ist wunderschön. Tausende Karstfelsen ragen aus dem Meer. Die Legende erzählt, dass Vietnam vor vielen Jahren immer wieder von Invasoren aus dem Norden angegriffen wurde (jaja, die Chinesen…). Um sein Volk zu beschützen, sandte der Jadekaiser die Drachenmutter und ihre Kinder aus. Diese schleuderten brennende Smaragde auf die Feinde und besiegten sie. Die Smaragde aber bildeten die Steinformationen der Bucht. Und da die Drachen so begeistert von der Landschaft waren, entschieden sie, fortan hier zu leben. Die Mutter lies sich in der Halong-Bucht nieder, die Kinder in der Lan Ha-Bucht. Deshalb auch der Name: „Ha“ heißt landen und „Long“ Drache auf Vietnamesisch. Tatsächlich handelt es sich bei den Felsstrukturen der Bucht um Karst (also Kalkfelsen), die über Jahrmillionen durch Ablagerungen im Meer entstanden sind. Als sich die Gegend durch tektonische Verschiebungen aus dem Meer erhob, spülte das abfließende Wasser Höhlen frei, die nach und nach einstürzten. Diese Krater lagen nun wieder unter dem Meeresspiegel und Wasser floss nach. Den Rest erledigte die Witterung in den letzten 300 Millionen Jahren. Aber die Geschichte mit den Drachen ist schöner. :-)

In der Lan Ha-Bucht leben ca. 600 Familien auf schwimmenden Häusern. Früher waren sie über die ganze Bucht verstreut, aber die Regierung wollte sie an Land ansiedeln, um die Wasserverschmutzung zu vermeiden. Dagegen wehrten sich die Fischer. Kompromiss war, dass ihre Häuser zu schwimmenden Dörfern vertäut würden und direkt am Hafen anlegen müssen. Aktuell wird diese Lösung praktiziert, den Umsiedelungsplan hat die Regierung allerdings noch nicht verworfen.

Wir fahren durch die Bucht, bewundern die Steinformationen und besichtigen eine Fischfabrik. Hier werden Netze im Wasser gespannt, Fische eingesetzt und ordentlich herangefüttert – eine Aquakultur also.

Ob die Hunde, die mit auf dem Wasser leben Fisch fressen, haben wir allerdings nicht rausgefunden.

Bald darauf steht eine Fahrt mit einem Kajak auf dem Programm. Und das macht wirklich Spaß. Das Meer ist spiegelglatt und wir rudern durch Höhlen zu unerschlossenen Buchten. Nebenbei kümmern wir uns um zwei Mädels aus Israel, die mit ihrem Boot so gar nicht zurechtkommen und den Anschluss an die Gruppe verlieren (was dem Guide ziemlich egal ist). :-) Ich werde den Reiseleiter halt doch nicht ganz los.

Anschließend wird auf dem Schiff Mittagessen serviert. Typische Köstlichkeiten, Reis, Nudeln, frischer Fisch. Es schmeckt ausgezeichnet und stärkt für den anstehenden Schwimmspaß. Und obwohl das Wasser nicht meine bevorzugte (Thermal)Temperatur hat, stürze ich mich mutig in die Fluten. Ich hätte nicht gedacht, dass ich Mal Mitte Dezember in Vietnam in der Halong Bucht schwimme (es ist nämlich hier auch gerade Winter).

Dann geht es zurück zum Hafen und bald darauf erreichen wir wieder unser Hotel. Wir haben uns mir Adrian, Max und Melissa aus Deutschland verabredet, die wir am Boot kennengelernt haben. Beim Fischessen genießen wir noch einen schönen Abend und auch einen letzten Drink in der Skybar mit Blick auf den Hafen. Als wir zurück in unser Hotel kommen, ist die Hochzeitsgesellschaft verschwunden und wir wundern uns, dass hier nun alles so anders ausschaut. Keine Spur mehr vom eigens aufgebauten Zelt oder der Extrembeschallung. Wir schlafen gut und begeben uns am Morgen danach noch auf die Spuren unserer Pancakes. Und dieses Mal bekommen wir die Teile. Wie man für knapp über einen Euro vier übereinander gestapelte Pancakes mit frischer Mango anbieten kann, die auch noch so unglaublich lecker sind, erschließt sich uns nicht. Wir genießen es aber voll und ganz.

Auf dem Weg zurück zum Hotel kommen wir noch einmal an einem kleinen Käfig entlang der Straße vorbei, in dem wir gestern schon eine kleine Katze entdeckt haben. Die Kleine hat mir gestern schon leidgetan, heute sitzen aber sogar 3 kleine Mietzen auf viel zu engem Raum. Sie wollen dauernd spielen und gestreichelt werden, man merkt deutlich, dass es ihnen in dem Gefängnis nicht gefällt. Bevor wir die Insel verlassen, entschließe ich mich also, das Schloss am Käfig zu lockern und die Tür halb aufzuschieben. Dann stehlen Raphaela und ich uns davon. Die Tür haben wir den Kätzchen geöffnet, ich bin sicher, sie sind entkommen. :-)

Dann holt uns unser Bus ab und bringt uns wieder zurück nach Hanoi. Auch wenn Cat Ba sehr nett war und der Ausflug auf dem Wasser eine tolle Erfahrung, Hanoi ist einfach ein Erlebnis. Wir beziehen unser neues Hotel und halten uns nicht lange auf. Ich will endlich das Bia Hoi, das frisch gebraute Bier probieren. Und tatsächlich finden wir nach kurzem Suchen an einer belebten Kreuzung eine Dame die mit einem Fass Bier und Plastikgläsern vor einem Hauseingang sitzt und uns Bia Hoi für 5000 Dong (15 Cent oder so) anbietet. Auf kleinen Plastikstühlen genießen wir das leckere Getränk. Naja, ich genieße es, Raphaela ist ja nicht soooo der Bierfan, wie die Fotoserie wieder einmal beweist. Aber sie probiert tapfer. :D

Wir verbringen einen sehr netten Abend mit noch vielen weiteren Bia Hoi sowie mit Nick und Bridget aus Alaska (er ist Fischer, sie Krankenschwester. Und: Er kennt Parker Schnabel von Gold Rush, meiner bevorzugten Goldgräber-Serie. :-) ). Später stoßen noch Robert und Isabella aus Schweden dazu.

Gegen Mitternacht geht Raphaela müde nach Hause. Aber da es so warm und angenehm ist, bleibe ich noch ein bisschen. :-) Und wer behauptet, so früh am Morgen passiert nichts Lustiges mehr: Stimmt nicht. Eine Sperrstunde in Hanoi zu beobachten, ist ein Erlebnis. Die Polizei geht durch die Gassen, die Barbetreiber räumen Tische und Stühle ins Lokal. Und kaum ist die Polizei 20 Meter entfernt, wird draußen wieder aufgebaut. So geht das Spiel drei bis vier Mal, je nach Bar, bis dann endgültig nur mehr Drinnen gefeiert werden kann. Entgegen meines Alters halte ich es bis halb fünf am Morgen aus. Und auch wenn ich am nächsten Tag etwas (sehr) leide, war es der Abend allemal wert. Ich liebe Hanoi.

 

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