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Kuala Lumpur

Kuala Lumpur

Das war‘s also schon wieder mit Vietnam. Wir hatten viele schöne Stunden, viel Regen, weihnachtliche Kälte mit Glühwein und Gluthitze im Süden. Ein sehr abwechslungsreiches Land, aber nun geht unser Flieger nach Malaysia. Wir stehen also wiedermal viel zu früh auf (und sollten langsam unseren Tag-Nacht-Rhythmus etwas überdenken :-) ) und schnappen einen öffentlichen Bus zum Flughafen, während wir von Taxifahrern fassungslos angesehen werden. Es ist wirklich interessant noch einmal zu beobachten, dass trotz des hervorragend ausgebauten öffentlichen Verkehrs in Ho Chi Minh die Busse immer leer sind. Kurz darauf kommen wir am Flughafen an, frühstücken gemütlich, wechseln unser Restgeld in Euro (hmmmmm, wie schön es doch wäre, überall die gleiche Währung zu haben. Euro, ich liebe dich!!!), checken ein und sitzen schon bald in einem Vietjet-Flieger, der zwar etwas verspätet startet, dafür ungewohnt viel Beinfreiheit bietet.

Den Flug verschlafen wir Großteils und nur wenig später landen wir auch schon in Kuala Lumpur. Der Flughafen ist ziemlich groß aber übersichtlich. Bevor wir unser Gepäck bekommen, wechseln wir mit einem Schnellzug das Terminal. Alles hier steckt voller Überraschungen. Die Menschen sind sprachlich sehr gewandt und unglaublich freundlich. Es gibt KEINE (!!!) TukTuks (herrlich), die Taxifahrer akzeptieren ein einfaches Nein, ohne penetrant weiter auf einen Transport zu beharren und überall gibt’s ein Lächeln. Kuala Lumpur und Malaysia fängt schon einmal sehr positiv an. Mit dem Bus geht es zum Hauptbahnhof. Der Bus ist sauber, hat schnelles WLan (ja, das gibt’s, ÖBB…) und der Fahrer spielt keine Discomucke auf höchster Lautstärke, allerdings ist die Klimaanlage stärker aufgedreht als wir das bisher gewohnt sind (ja, auch das ist möglich). Vom Bahnhof bringt uns dann ein Grab in wenigen Minuten in unsere Unterkunft. Wir haben wieder einmal AirBnB ausprobiert, diesmal in einer großen Residence und sind schon ziemlich gespannt, was uns erwartet. Und so viel sei gesagt: Wir werden sehr positiv überrascht. Im Nordturm der Robinson Residence (eines der vielen Hochhäuser der Stadt) in ausgezeichneter Lage bekommen wir ein blitzeblankes Appartement im 36. Stock mit Blick auf die Petronas Twin-Towers.

Dazu gibt’s einen „kleinen“ 50m-Pool am Dach und ein Fitnessstudio, letzterem ist Raphaela aber eher zugetan ist als ich. :-)

Nicht weit vom Hotel entfernt befindet sich eine Shoppingmall und irgendwie ist in Kuala Lumpur alles etwas größer. Also kann man in der Mall auch mal einen Zug fahren lassen.

Wir nutzen die Gelegenheit eine eigene Küche zu haben, kaufen ein und kochen einfach einmal ein paar Spaghetti mit Meeresfrüchten. Es war einfach mal wieder Zeit, für Nudeln. :-)

Interessanterweise ist selbst kochen hier wesentlich teurer, also ins Restaurant zu gehen (Hauptgericht kostet meist ca. 1,50€). Also bleibt das Selbstgekochte eine (willkommene) Ausnahme. Wir genießen also unser neues Domizil und schlafen endlich wieder einmal ruhig und ohne Baustelle. Kuala Lumpur bietet einige Sehenswürdigkeiten, so haben wir gelesen. Und natürlich wollen wir und diese nicht entgehen lassen. Ganz oben auf unserem Besichtigungsplan stehen die Batu Caves, Tempel in Höhlen, ca. 15km nördlich der Stadt. Wir stellen fest, dass Grab-Taxis in der Stadt so günstig ist, dass es sich kaum lohnt, auf die öffentlichen Verkehrsmittel zurückzugreifen, da man zusätzlich mehrfach umsteigen müsste. Also lassen wir uns von einem (sich über die niedrigen Grab-Preise beklagenden) Fahrer für 3,50€ die 15km zu den Höhlen bringen. Die Batu Caves begrüßen uns mit einer 42,7m hohen Statue des Hindu-Gottes Murugan vor 272 bunt bemalten Stufen, die zu einer 100m hohen Höhle führen, in der mehrere Tempel gebaut worden sind.

Es ist heiß, da wir wiedermal in der Mittagssonne unterwegs sind. Außerdem müssen wir uns vorsichtig bewegen und immer mal wieder Seite wechseln, da die heimlichen Herrscher der Gegend gerne mal die Zähne fletschen, wenn man ihnen zu nahe kommt.

Die Höhlen sind beeindruckend, aber leider auch etwas vermüllt, da Besucher den Affen Snacks mitbringen und diese dann den Müll verteilen. Obwohl auf das Füttern der Viecher hohe Strafen stehen, interessiert das hier niemanden.

Anschließend geht’s zurück ins Hotel, da es wirklich heiß geworden ist. Da ich wieder einmal Lust auf Kino habe, versuche ich Raphaela zu überreden, mit mir Dragonball Super Broly anzusehen. Der Versuch endet damit, dass ich alleine gehe. :-) Zusammen mit drei Asiaten teile ich mir einen ganzen Kinosaal und wünsche mir nichts mehr, als meine Winterjacke dabei zu haben. Sie lieben ihre Klimaanlagen einfach. Trotzdem vergnüge ich mich ca. 1,5 Stunden damit, wie die Mangahelden meiner Jugend erst verprügelt werden und schlussendlich doch obsiegen. Auch wenn der neue Film bei Weitem nicht den Charme der Serie hat, war es trotzdem wiedermal ganz lustig. Außerdem kann man für umgerechnet ca. 6€ für Film, Popcorn und Getränk echt nicht meckern. :-)

Malaysia ist ein weitgehend muslimisch geprägtes Land. Zwar gab es bereits im 7. Jahrhundert Kontakte mit Händlern aus Arabien, allerdings ließen sich erst diese ab dem 13. Jahrhundert verstärkt im Land nieder und wurden somit bald zur bestimmenden Volksgruppe. Heute bekennen sich 60% der Einwohner zum Islam (jeder ethnische Malaye muss Moslem sein), ca. 20% sind Buddhisten (hauptsächliche die chinesische Minderheit), weitere 9% sind Christen, der Rest Hindus…. Lange Zeit war Malaysia in Glaubensfragen sehr liberal, allerdings gewinnt der Islam weiter an Bedeutung. Religionsfreiheit gibt es im eigentlichen Sinne nicht. Will z.B. ein Nichtmuslime eine Muslimin heiraten, muss er zum Islam konvertieren. Der Austritt aus dem Islam ist kaum möglich und geht mit Übergangsfristen, Befragungen, Umerziehungslagern und Gefängnis einher. Für Muslimen gibt es zusätzlich zu den „weltlichen“, eigenen Scharia-Gerichte. Moslems werden bei der Vergabe von öffentlichen Ämtern oder Förderungen stark bevorzugt. Dies begründet sich neben Glaubensfragen auch darin, dass die Regierung die Religion als Legitimationselement benutzt. Interessanterweise merken wir nichts von interreligiösen Differenzen. Viel mehr präsentiert sich Malaysia als sehr offen und liberal. Mädchen mit Kopftuch spazieren Hand in Hand mit Mädchen mit Bindi auf der Stirn (dem roten Punkt des Hinduismus) durch die Stadt und alles scheint friedlich zu sein. Dies liegt wahrscheinlich zu einem Teil daran, dass die Regierung streng darauf achtet, keinen kritischen Dialog über das Zusammenleben der Religionen und die Bevorteilung der Muslime zuzulassen (z.B. Publikationsverbot zum Thema). Eventuell interessiert es jüngere Menschen aber auch nicht so sehr. Wir wissen es nicht und erfahren es auch nicht, weil Gespräche zu diesem Thema nicht sonderlich gerne gesehen werden. Deshalb besuchen wir einfach einmal eine Moschee, um uns das Ganze genauer anzuschauen. :-)

Die Wilayah-Moschee ist eine der neuesten in Kuala Lumpur und wurde erst 2000 fertiggestellt. Moscheen sind viel mehr als Gebetshäuser, wie wir später erfahren. Vielmehr stellen sie Begegnungszonen und Gemeindezentren dar. Und da die Moschee inmitten eines Wohngebietes liegt, stellen sich zahlreiche ehrenamtliche Führer abwechselnd zur Verfügung, um Besuchern die Anlage zu zeigen. Bereits beim Eintreten werden wir sehr freundlich von einer Dame begrüßt, die sich als unsere Führerin zu erkennen gibt. Raphaela wird noch schnell ein Kopftuch aufgesetzt (einen Rock hat sie selbst dabei).

Ich kann so rein, ich bin ja ein Mann. :-) Und dann geht es schon los. Nach einer kurzen Einführung in die Geschichte der Moschee und des Islams erfahren wir mehr über das Gebet und die rituelle Waschung vorher (und wie diese abläuft). Gebetet wird fünf Mal pro Tag in Richtung Mekka, beginnend am Morgen um 5.00 Uhr, dann gegen Mittag und dann zwischen Nachmittag und vor dem Schlafen gehen noch drei Mal. Dies kann man auch relativ flexibel einteilen. Gebetet werden kann alleine, aber auch gerne in der Moschee, zusammen mit anderen Gläubigen. Und beten in der Moschee bringt 27 Mal so viele Punkte wie alleine zu beten. Nur kann uns niemand sagen, wie viele Punkte alleine beten gibt. Ist also schwierig zu berechnen, ohne Basis. :-) Während des Gebets wird der Koran zitiert (mehr oder weniger. Gott ist groß, du bist herrlich und der Schöpfer von allem, keiner überstrahlt deinen Glanz, du bist gnädig…). Kennen wir also so auch aus der Kirche. :-) Während allerdings die Bibel übersetzt wurde und in verschiedensten Sprachen verfügbar ist, ist der Koran nach wie vor nur in arabischer Sprache gehalten und darf nicht verändert werden. Somit betet jeder Moslem, unabhängig davon, welche Sprache er spricht, auf Arabisch. Unsere Führerin meint, man bete in der Anfangszeit einfach mal mit, ohne zu verstehen, was man sagt und irgendwann lernt man es schon. Erinnert mich irgendwie an Zeiten von denen meine Oma erzählt hat. Der Pfarrer rezitiert auf Latein, und man macht einfach mal mit. :-) Der Koran darf nicht übersetzt werden, da die Worte anscheinend direkt von Allah kommen und somit perfekt und unveränderlich sind. Als die Führerin dann erwähnt, dass die Suren des Korans in den ersten 200 Jahren nur mündlich weitergegeben worden sind, denke ich an das Spiel „Stille Post“ und sage einfach mal nichts dazu. Unsere Führerin scheint aber sehr liberal zu sein (oder gibt sich so). Sie erwähnt mehrmals, dass Menschen immer alles lesen und sich nicht nur die Zeilen aus dem Koran herausziehen sollten, die ihnen am besten gefallen. So steht im Koran nämlich, dass ein Mann zwar mehrere Frauen gleichzeitig heiraten darf, allerdings nur, wenn er jede gleich behandelt, gleich liebt und mit der gleichen Fürsorge (auch finanziell) bedenkt. Und das funktioniert nun mal in den seltensten Fällen. :-) Auf jeden Fall haben wir eine gute Zeit, erfahren viel über den Islam und genießen das schöne Gebäude.

Anschließend spazieren wir noch durch einen Garten mit Hängebrücken, der als Naherholungsgebiet mitten in Kuala Lumpur erhalten geblieben ist. Anschließend nehmen wir wieder ein Grab in unser Domizil, da es einfach zu heiß ist. Unser Fahrer scheint gerade verliebt zu sein. Das schließen wir aus seiner Playlist, die sich „Beautyful Greatest Love Songs“ nennt. Nach zwei Mal „My heart will go on“ sind wir dann glücklicherweise am Ziel. :-) Am Abend besuchen wir eine der beliebten Fressstraßen der Stadt, die sich direkt neben unserem Hotel befindet. Da sich allerdings die Preise aufgrund der Beliebtheit weit über dem normalen Niveau bewegen, suchen wir uns ein Eckrestaurant und genießen Reis mit verschiedensten Currys, Chicken Masalla und Nan zum supergünstigen Preis von ca. 4€.

Den nächsten Tag gehen wir etwas entspannter an. Wir verbringen Zeit am Pool und schlendern am Abend durch die Stadt zu den Petronas Twin Towers. Auf dem Weg dorthin fällt uns auf, wie nahe Armut und Reichtum hier zusammenliegt. Vor einem Luxuskaufhaus versucht ein alter Mann, Taschentücher für 15 Cent pro Packung zu verkaufen, während sich drinnen in unzähligen Shops wohl jede Luxusmarke der Welt finden lässt. Irgendwie ein komisches Gefühl.

Die Twin Towers galten bis 2004 mit 452 Metern als die höchsten Gebäude der Welt. Und auch heute sind sie nicht weniger beeindruckend. Wir verzichten zwar auf die Fahrt auf die Aussichtsplattform, da uns 29 US-Dollar pro Person für 15 Minuten einfach etwas übertrieben erscheinen (ich will ja nicht das Gebäude kaufen :-) ) und genießen den Anblick vom Stadtpark. Hier gibt es jeden Abend eine Wassershow mit musikalischer Untermalung. Besonders als es während der Show anfängt zu regnen, genieße ich die Atmosphäre.

Und natürlich bekommen wir auch noch Besuch, welcher uns neugierig beobachtet.

Unseren letzten Tag in Kuala Lumpur verbringen wir damit, noch einmal rumzuschlendern. Die Stadt wächst beständig und ein Wolkenkratzer folgt dem anderen. Eine Sonderausstellung zeigt die Geschichte der Stadt vom kleinen Handelsposten zur Hauptstadt Malaysias an. Während der Besichtigung spricht mich ein netter Herr in gebrochenem Englisch an, sagt er komme aus Abu Dhabi und fragt mich, ob ich auch Araber sei. In dem Moment realisiere ich, dass mein "Aussteigerbart" wohl inzwischen doch etwas länger geworden ist. :-)

Aber rasieren ist nicht, der wächst jetzt bis zum Ende der Reise, ansonsten muss ich einen ganzen Tag Babysitten. Und wenn ich die Wette gewinne, bekomme ich einen neuen Rasierapparat. Fangen Sie schon mal an zu sparen, Fräulein Hörtletseder! :-) Wir nutzen die Chance, noch ein paar schöne Fotos zu schießen, ich finde wieder eine Freundin und natürlich besteht Raphaela auf das obligatorische Bild von uns beiden vor dem „I love Kuala Lumpur“-Zeichen.

Die restliche Zeit verbringen wir heute am Pool und lassen unseren letzten Abend in der Stadt gemütlich ausklingen. Raphaela besteht zu unserem 11-jährigen Beziehungs-Jubiläum auf ein Fotoshooting am Pool, dem ich dann doch zustimme, obwohl ich nicht gerne mit meinem Handy schwimmen gehe. Aber wenn sie unbedingt darauf besteht. Hier das Ergebnis. :-) :-) :-)

Was ich wohl noch erwähnen sollte: Kuala Lumpur ist eine Großstadt, trotzdem aber sehr gemütlich. Was uns aber besonders gefallen hat, ist die fast Vollständige Abwesenheit der penetranten Scooter und Motorräder, die wir bisher an allen anderen Stationen hatten. Der Verkehr scheint wesentlich weiterentwickelt zu sein. Nicht dauernd angehupt zu werden oder aufpassen zu müssen, wenn man bei grüner Fußgängerampel die Straße überquert (hier hällt man sich penibel an die Verkehrsregeln), war echt mal wieder angenehm. :-) Morgen geht es weiter nach Melaka. Raphaela meint, dort soll es schön sein. Wir werden sehen. :-)

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