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Lake Toba

Lake Toba

Leider müssen wir Bukit Lawang wieder verlassen, obwohl es uns hier sehr gut gefallen hat. Wir sind richtig glücklich, außerhalb der Hochsaison hier gewesen zu sein. Es war so schön ruhig und entspannend. Aber nun freuen wir uns auf einige Tage am Lake Toba. Ein Sammeltaxi soll uns hinbringen. Pünktlich um 8.00 Uhr holt uns das Personal ab und begleitet uns zum Taxi, ein normales Auto, das wir uns mit einem Deutschen und einer Holländerin teilen. Ich hatte bei der Buchung mehrfach darum gebeten, dass unser Taxi nicht über Medan zum Lake Toba fährt, sondern den direkten Weg nimmt, da Medan als drittgrößte Stadt Indonesiens unter chronischem Verkehrskollaps leidet und die Strecke insgesamt ca. drei Stunden länger dauert. Natürlich wurde mir meine gewünschte Fahrtroute bestätigt und natürlich geht es trotzdem über Medan – schließlich müssen die anderen beiden dort zum Flughafen. Uns stehen also nun neun statt sechs Stunden Rumpelstrecke bevor, was mich eher weniger amüsiert. Aber wie halt so üblich, lässt sich das nun nicht mehr ändern und wir quälen uns nach einige Stunden später durch den Stehverkehr in Medan. Wenigstens können wir uns Beispiele für indonesische Ladungssicherheit ansehen. :-)

Gegen 17.00 Uhr erreichen wir endlich Parapat am Lake Toba, eine ziemlich hässliche und dreckige Kleinstadt. Glücklicherweise ist unser Ziel eine Insel in der Mitte des Sees, Samosir, welche durch eine Fähre mit dem Festland verbunden ist.

Wir haben uns im Romlan eingemietet, ein Guesthouse direkt am See mit schönem Blick auf das Wasser. Uns gefällt‘s hier.

Der Lake Toba ist 87km lang und 27km breit und liegt im Krater des (hoffentlich) erloschenen Vulkans Toba, der zum letzten Mal vor ca. 74.000 Jahren ausgebrochen sein soll. Laut der Toba-Katastrophentheorie soll der Vulkan so viel Material in die Atmosphäre geschleudert haben, dass die Temperatur auf der Erde in den Folgejahren um ca. 3,5 Grad Celsius abgesunken ist. Dies löste eine Eiszeit aus, die fast zum Aussterben der verschiedenen sich entwickelnden Homo-Spezies führte. Laut der Theorie, könnte der Vulkan die Neandertaler auf dem Gewissen haben. Natürlich bleibt diese Theorie nicht unwidersprochen. Archäologische Funde beweisen die durchgehende Besiedlung von Gebieten in der Nähe des Vulkans vor und nach der Eruption. Insofern stellt sich Wissenschaftlern die Frage, wieso der Ausbruch die Neandertaler ausgerottet haben soll, während die Gesellschaften in den umliegenden Gebieten kaum beeinflusst wurden. Die Menschen am Vulkan erzählen trotzdem gerne, dass ihr Berg uns fast alle mal ausgerottet hätte. Der Krater hat eine Fläche von ca. 1800qm, wovon ca. 650 auf die Insel Samosir entfallen. Die Wasserfläche ist also mit ca. 1150 Quadratkilometern in etwa doppelt so groß wie der Bodensee und damit der größte Kratersee der Erde. Aber genug der wissenschaftlichen Abhandlungen und Zahlen, Daten und Fakten. :-)

Obwohl das chinesische Neujahr vor der Tür steht, haben wir die Insel fast für uns alleine. Nur wenige Gästehäuser sind ausgebucht und die zahllosen Restaurants und Kneipen sind den ganzen Tag über leer. Die Nebensaison kann hier keiner leugnen. Die Einheimischen machen es sich gemütlich, liegen in ihren Lokalen rum und warten darauf, dass sich vielleicht doch ein Tourist zu ihnen verirrt. Ansonsten ist nicht viel los, genau was wir gesucht haben. Nachts hört man die Wellen des Sees, die gegen die Kaimauern schlagen und wir werden von keinem Muezzin geweckt, der um spätestens 5.00 Uhr morgens von einem Turm ruft. Diese Rolle übernimmt hier nämlich eine schwarze Katze, die mehrfach, sei es tagsüber oder nachts, so laut schreit, dass wir in der ersten Nacht meinen, jemand schlägt ein kleines Kind. Das Vieh ist vollkommen verrückt (wahrscheinlich rollig). Auf jeden Fall stellen wir beim ersten Frühstück fest, dass wir nicht die einzigen sind, die aufgrund der Katze auf Ohrenstöpsel zurückgreifen müssen. :-) Den ersten Tag verbringen wir mit süßem Nichtstun. Raphaela macht etwas Yoga und wagt sich in das Vulkanseewasser.

Ich sitze auf unserem Balkon mit Seeblick und genieße die Ruhe (bis auf die Unterbrechungen durch die Katze). Zu Mittag gönnen wir uns eine Kleinigkeit im Hotelrestaurant. Raphaela hat Glück mit ihrem Gemüsecurry, mein Fried Chicken ist allerdings ekelhaft und riecht und schmeckt irgendwie verdorben. Als ich den Kellner darauf anspreche, riecht er am Fleisch, sagt o.k. und geht weg, ohne irgendwie weiter darauf zu reagieren. :-) Der zweite Tag beginnt früher als gedacht. Da das Wasser für das Gästehaus nämlich aus dem See kommt, wird um halb acht am Morgen direkt vor den Zimmern eine dieselbetriebene Pumpe angeworfen. Also sind mal alle wach und bereit für das Frühstück. Es ist etwas schade. Das Hotel ist wirklich nett und gut gelegen, die Zimmer sind sauber und angenehm mit super Blick. Das Personal (oder besser gesagt, der Chefrezeptionist/Kellner/Kassier….) fällt halt vom Standard ziemlich ab und vermittelt Gästen nicht wirklich das Gefühl, willkommen zu sein. Nachdem also gestern das Essen ein ziemlicher Flop war und wir irgendwie nicht ganz glücklich mit der Pumpsituation sind, entscheiden wir, unser nettes Zimmer zu genießen, unserem Hotel aber kein weiteres Geld mehr zukommen zu lassen und alles Weitere auswärts zu besorgen. Wir schnappen uns also einen Scooter und machen uns auf, die Insel zu umrunden.

Immer auf und ab mit wunderschönen Blicken auf den See und durch die schöne Natur düsen wir dahin, bis wir ein kleines Restaurant mit perfekter Aussicht entdecken. Hier gibt’s Brunch (Pancakes, gebratene Nudeln, Avocadosalat….).

Wir lassen es uns gutgehen und bekommen auch noch wertvolle Tipps vom Besitzer zur Streckenführung. Die Straße hoch über die Berge durch die Mitte der Insel sei nämlich in gutem Zustand (anders als im Internet angegeben). Und so riskieren wir es und werden belohnt. Es ist nicht nur angenehm kühl, uns begegnen auch noch kaum andere Fahrzeuge. Die Luft und Vegetation lassen das Gefühl aufkommen, als würde man irgendwo zu Hause auf einer Almwiese stehen. Dann erinnern wir uns, dass daheim gerade Winter ist und lächeln vor uns hin. Auch ein paar Tiere begegnen uns. Meine Kommunikationsversuche mit den Wasserbüffeln lassen diese allerdings nur skeptisch bis irritiert blicken.

Raphaela hat eher Augen für die Minischweine (jaaaa, Ferkel...), die überall rumlaufen (vielleicht legen wir uns doch ein Minischwein als Haustier zu. Katze, Hund, Minischwein. Die ideale Kombi.) (edit Raphaela „vielleicht“…hahaha).

Außerdem gibt’s überall Hunde. Entweder alt und faul oder jung und auf Erkundungstour.

Das Inselreich Indonesien beinhaltet ca. 17.000 Inseln und 260 Millionen Einwohner (die viertgrößte Bevölkerung aller Länder), welche sich auf ca. 360 Volksgruppen aufteilen lassen. Am Lake Toba dominiert das Volk der Batak, deren Herkunft nicht ganz klar ist. Auf jeden Fall leben ca. 4,9 Millionen der 6 Millionen Mitglieder des Volkes rund um den See und 85% von ihnen bekennen sich, anders als der größte Teil der indonesischen Bevölkerung (ca. 200 Millionen) nicht zum Islam sondern zum evangelischen Christentum. Der deutsche Missionar Ludwig Ingwer Nommensen hat hier im späten 19. Jh. ganze Arbeit geleistet. Und so sieht man, neben Häusern in der traditionellen Hausbauweise mit verzierten Fronten und Satteldächern (nicht nur) gefühlt alle 10 Meter eine Kirche stehen.

Vielleicht sind die Batak deshalb keine Kannibalen mehr, auf jeden Fall essen sie jetzt lieber Schwein als Mensch, womit sich auch erklärt, wieso die Menschen hier Schweine halten. :-) Da wir direkt nach Schulschluss unterwegs sind, begegnen uns zahllose Kinder, die sich gerade auf den Heimweg machen. Dabei bekommen nur die wenigsten ein Elterntaxi gesponsert.

Und wer daheim keinen Scooter hat, um viel zu jung mit diesem zu fahren, dem bleibt halt nur noch der Weg zu Fuß.

Ich muss schmunzeln wenn ich überlege, dass die Kinder hier Kilometer um Kilometer in die Schule spazieren und die Kinder zu Hause von den Eltern teilweise bis in die Klasse begleitet werden, weil man ihnen nichts mehr zutraut (und nicht ohne zusätzlich vor der Schule noch ein Verkehrschaos zu verursachen). Auf jeden Fall haben die Kinder viel Spaß und wir scheinen irgendwie eine Attraktion zu sein. Wenn wir vorbeifahren, reihen sie sich zum Abklatschen auf der Straße auf. :-)

Am Abend gönnen wir uns Jenga (Raphaela wird zerschmettert :-) :-) :-) ), riesengroße Guacamole-Brote und weiteres leckeres Essen.

Die Insel ist wirklich groß, deshalb haben wir an einem Tag keine Umrundung geschafft. Aber wir haben ja noch unseren Scooter, deshalb geht es heute in die andere Richtung. Raphaela fährt und navigiert uns vorsichtig durch den Verkehr, bis sie auf offener Strecke dann endlich Gas geben kann. Samosir ist auf der Westseite über eine kleine Landbrücke mit dem Rest von Sumatra verbunden und hier soll es auch heiße Quellen geben. Zwar verfärbt sich das Seewasser wunderschön, dort wo heißes und kaltes Wasser aufeinanderprallen, allerdings stinkt es hier so erbärmlich nach faulen Eiern (Schwefel halt), dass wir weiterfahren.

Ich habe auf google maps eine Straße entdeckt, die ich mir noch anschauen möchte. Und es lohnt sich wirklich. Wir bekommen in menschenleerer Umgebung Ausblicke über den See. Im Hintergrund kann man sogar noch zwei weitere Vulkane erkennen.

Die Gegend ist phantastisch. Pure Natur, Wasserfälle, Seen und Berge. Das Farbenspiel erinnert etwas an Irland bei gutem Wetter. :-) Aber auch wir haben es bisher wunderbar getroffen und trotz Regenzeit hatten wir bisher bestes Wetter. Nur von Fernen war einmal etwas Regen zu erkennen. :-)

Auf dem Rückweg kommen wir noch an einer weiteren Besonderheit von Samosir vorbei, einem See. Es handelt sich hierbei weltweit um den einzigen See, der auf einer Insel liegt die in einem See liegt, der auf einer Insel liegt. Verwirrend, oder? :-)

Die Art des Wäschetrocknens auf der Insel stößt nebenbei wohl auch bei Kühen auf Interesse. :-)

Einen Teil der Strecke kennen wir bereits, dieser war etwas holperiger. Aber Raphaela meistert das Ganze ausgezeichnet. Als sie aber dann aber im Schritttempo Ewigkeiten hinter einem staubaufwirbelnden LKW herfährt und sich nicht überwinden kann, diesen zu überholen, haben wir kurzfristige Differenzen :-). (Anmerkung Raphaela: Da man in einem Tagebuch ja ehrlich sein sollte: Wir haben uns angebrüllt, aber nur kurz. Das kommt somit in den besten Beziehungen vor. :-) ) Das führt allerdings in der Folge dazu, dass sie die restliche Strecke souverän und sicher fährt, wie Valentino Rossi in seinen besten Zeiten. Ich muss sagen, inzwischen hat sie das mit dem Scooter fahren echt drauf. :-) (Anmerkung Raphaela: Hat der überhaupt mal was gewonnen? :D) (o.k., das müssen wir jetzt weiter ausführen. Raphaela: "Hat der überhaupt mal was gewonnen?" Armin: "Äääää, ab und zu Mal....". Raphaela: "Der sagt mir nichts. Meine letzten Weltmeister sind Hamilton, Vettel, Räikkönen und Schumacher." :-) :-) :-) - Sie googelt jetzt mal Rossi. ) Daraufhin gönnen wir uns in der German Bakery Kuchen und Kaffee. Hier hat sich eine Deutsche niedergelassen und neben Hotel und Restaurant auch eine Bäckerei eröffnet. Man bekommt also das einzige Vollkornbrot der ganzen Gegend, weshalb wir beschließen, zum morgigen Frühstücksbuffet wiederzukommen.

Und das Buffet wird lecker. Verschiedenste Früchte, Omlette, Butter, Käse, Waffeln, Pralinen…. Lassen uns das beste Frühstück seit Langem genießen. Und wenn‘s lecker ist, dann sind Gäste selten weit weg.

Und so sitzt diese Mietze während des ganzen Frühstücks über da, schaut uns mit großen Augen an und bekommt natürlich so viel ab, dass sie bald darauf satt und glücklich in der Sonne liegt. Wir genießen den Tag am See, und rudern mit Kajaks rum. Raphaelas Kajak dreht sich wie magisch dauernd im Kreis :-), meines scheint wohl ein Loch zu haben und läuft mit Wasser voll. Irgendwann kentere ich dann doch. :D Daraufhin stabilisiert Raphaela mein Kajak und ich ziehe mich wieder an Bord. Gemeinsam schaffen wir es also, mich vor dem Ertrinken zu retten. Sonst hätte ich doch tatsächlich die 100m bis ans Ufer schwimmen müssen. :-)

Den restlichen Nachmittag verbringt Raphaela mit dem Tagebuch und ich beim Fischen. Ich habe mir nämlich für 1,25€ eine absolut professionelle Angelausrüstung gekauft. :-) Mit etwas Brot als Köder versuche ich mein Glück und entspanne mich dabei ca. 3h meditativ beim Nichtstun und beim Nichterwarten eines Bisses. Denn ich fange mit meiner 1€-Ausrüstung gleich wenig wie die professionellen einheimischen Sportfischer am Grundstück nebenan.

Wenigsten hole ich mir aber einen professionellen Sonnenbrand, sodass mich Raphaela nachher Tomate nennt :-) (unterm Terroristenbart bin ich aber sicher noch schön nobel weiß). Den letzten Abend verbringen wir beim Italiener. :-) Es gibt Tomatensuppe und Bruscetta, Pizza (die ganze Tomatensauce war wohl in der Tomatensuppe, also blieb für die Pizza nur mehr Käse) und laut Karte „Spaghetti aldente“. Das „aldente“ stand dabei wohl für die etwas breiige Konsistenz der Nudeln. :-) Aber alles in allem war es gar nicht soooo schlecht.

Und so schlafen wir gemütlich ein letztes Mal am Lake Toba, während draußen erstmals seit langem etwas Regen fällt. Morgen geht es weiter nach Jakarta, wo anscheinend der Verkehr so schlimm sein soll. :-)

Comments


Siko 02.21.2019

Fischen muss man können Armin😜

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