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Mit dem Scooter durch Mandalay

Mit dem Scooter durch Mandalay

Es war eine unruhige Nacht. Die Hotelbewertungen sagten zwar etwas von einer ruhigen Seitenstraße, wir hätten uns aber denken können, dass das in einer Millionenstadt eine etwas andere Bedeutung hat. J Und während wir aktuell gerne etwas länger schlafen können wir es den Einheimischen nicht wirklich verübeln, dass sie gegen 5.00 Uhr morgens in die Arbeit müssen. Positiver Effekt ist, dass wir das inkludierte Frühstück im Hotel nicht verpassen. Die Hellhörigkeit des Hotels macht das unglaublich freundliche Personal aber bei Weiten wieder wett.

Frühstück ist lecker. Obst, Brot, eine sehr leckere Kokossuppe und verschiedene warme Sachen machen den Start in den Tag zu einer Freude. Dann bekommen wir vom Hotelchef eine detaillierte Empfehlung für unser Tagesprogramm und zu unserer Freude auch einen Scooter. Das ist für Touristen nämlich nicht mehr so einfach. Liegt wahrscheinlich daran, dass der Verkehr für Ausländer als etwas zu wild angesehen wird und die Fahrzeuge deshalb nicht mehr so gerne verliehen werden. Wir bekommen aber pünktlich um 10.00 Uhr unser Mobil geliefert, bezahlen ca. 8€ für den ganzen Tag, kriegen neben der Einführung in den Scooter noch mehrfach die Bitte doch vorsichtig zu fahren (nicht nur vom Besitzer sondern auch vom Chef), vor allem mit dem Hinweis doch bitte bei Dunkelheit das Licht aufzudrehen (ist ja in China nicht selbstverständlich :D) und legen dann los.

Mandalay Scooter Mandalay Hill Sonnenuntergang

Irgendwie will Raphaela heute nicht fahren. Auf den Straßen finden sich mindestens eine Million weitere Scooter, zahlreiche Autos, Tuk Tuks, Fahrradrikschas… Und jeder fährt, wo es ihm gerade passt. Mir macht es richtig Spaß, erinnert mich irgendwie an Süditalien und nach wenigen Metern habe ich meinen Fahrstil schon an jenen der Einheimischen angepasst und ernte bald respektvolles Zunicken.

Erster Stopp ist der Mandalay Hill. Von hier bieten sich wunderbare Aussichten auf die Stadt. Zahlreiche Menschen haben hier ihr Lager aufgeschlagen und bieten neben Handlesen auch Essen, Getränke und Kleidung an. Hier zeigt sich erstmals, wie bitterarm das Land ist. Während in der Umgebung des Hotels noch „richtige Häuser“ stehen, gibt es hier Holzbaracken. Besonders interessant ist dabei der Blick von den Baracken auf den Golfplatz unterhalb des Mandalay Hill. So nah liegen Reichtum und Armut hier wieder zusammen. Trotzdem sehen wir nur lächelnde Menschen die uns freundlich begrüßen.

Mandalay Scooter Mandalay Hill Sonnenuntergang

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Kinder spielen und lachen. Besonders angetan hat es uns dieser kleine Fratz bei dem ich mir sicher bin, dass er nur kein Bayern-Trikot gefunden hat, ansonsten würde er dieses tragen. Es sei ihm verziehen.

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Zahlreiche steile Treppen führen auf den Hügel, die Luftfeuchtigkeit und die Hitze tun ihr Übriges um jeden Schritt schweißtreibend zu machen.

Mandalay Scooter Mandalay Hill Sonnenuntergang

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Anschließend fahren wir zurück zum Hotel. Raphaela hat nämlich die Speicherkarte für die Kamera vergessen. Und ohne schöne Fotos geht’s ja nicht. Ich genieße die Möglichkeit, durch die Straßen zu kurven, links und rechts zu überholen und die Umgebung zu erkunden. Es ist eine lebhafte Stadt, es zeigt sich aber, dass im Verkehr nicht das Recht des Stärkeren gilt, sondern jeder auf jeden Acht gibt. Das macht es hier tatsächlich einfach zu fahren. Obwohl wir von der Leistungstärke unseres mit Benzin angetriebenen Scooters begeistert sind, vermissen wir doch die E-Roller aus China. Schon allein deshalb weil es in den viel befahrenen Straßen vor lauter Abgase unglaublich stinkt.

Anschließend fahren wir zur Kuthodaw-Pagode, die aus Haupttempeln und 729 weißen Stupas besteht. In jeder dieser Stupas befindet sich eine Marmorplatte, insgesamt also 729 Platten, auf denen das Leben und die Lehren Buddahs verzeichnet sind. Der Tempel wird somit auch das „größte Buch der Welt“ genannt. Beeindruckend. Auch in diesem Tempel leben zahlreiche Menschen die versuchen, über die Runden zu kommen. Sie bieten Kleinigkeiten zum Kauf an oder Segnungen per Gong. Und natürlich teilen sie sich den Lebensraum mit zahllosen Straßenhunden. Manche bilden ganze Rudel, welche um die Vorherrschaft kämpfen, andere haben die Streitigkeiten wohl satt und machen es sich als Tempelhund gemütlich.

Mandalay Scooter Mandalay Hill Sonnenuntergang

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Generell gibt es aber ein großes Problem mit Straßenhunden. Sie sind überall, zahllos und bilden ganze Rudel, die dann auch einmal zupacken können. Die Menschen hier scheint das nicht zu stören, also stört es uns auch nicht. Und außerdem mögen wir Hunde ja. :-)

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Mandalay ist berühmt für sein Blattgold. In zahlreichen Werkstätten wir dieses noch in traditioneller Weise hergestellt und anschließend als Opfergabe auf zahllose Buddahstatuen geklebt. Religion spielt in der Gesellschaft eine übergeordnete Rolle. Sehr stark vereinfacht steht der Buddhismus dafür, dass das Leben immer Leid bedeutet und dieses Leid nur durch in tugendvolles Leben überwunden werden kann. Zu diesem leben gehören auch Opfergaben, davon viel Blattgold. Eine dieser Werkstätten kann man besichtigen. Wir fahren also hin, stellen unseren Scooter ab (gesichert mit Schloss…), werden freundlich begrüßt und bekommen eine Erklärung (haben wir nicht erwartet, freut uns sehr). 12 Gramm Gold werden erst ganz kurz maschinell gepresst, in kleine Stücke geschnitten und anschließend zwischen ein speziell hergestelltes Bambuspapier gelegt (Herstellungsdauer drei Jahre). So kommen bis zu 720 Schichten Gold und Bambuspapier zusammen. Und dann beginnt die wirkliche, schweißtreibende Arbeit. Es wird gehämmert. Immer und immer wieder schlagen die Jungs rhythmisch mit einem 3 kg schweren Hammer auf die Pakete ein. Das Gold wird dünner, immer wieder geteilt und zwischen mehr Bambusblätter gelegt und weiter gehämmert. Das Ganze dauert ca. 8 Stunden, dann ist ein Paket fertig.

Mandalay Scooter Mandalay Hill Sonnenuntergang

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Anschließend wird das Gold von fachmännisch in kleine Vierecke geschnitten und zu Paketen verschnürt, welche man dann kaufen kann.

Mandalay Scooter Mandalay Hill Sonnenuntergang

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Auch Statuen und Teller werden in der Manufaktur hergestellt, sehen schön aus und sind sicher gute Mitbringsel für zu Hause. Wir können nichts kaufen, wir sind ja noch länger unterwegs. Da wir aber großzügiges Trinkgeld da lassen, bekommen wir als Andenken ein kleines Goldstück für die Stirn. Und ja, es ist so heiß, auch ohne Gold zu hämmern.

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Trotzdem ist der Beruf sehr gefragt, da das Einkommen verhältnismäßig gut ist. Außerdem spart man sich das Fitnessstudio, meint unser Führer. :-)

Letztes Highlight unseres Tages soll der Sonnenuntergang auf der U-Bein-Brücke sein. Die Brücke aus dem Jahr 1850 ist nach ihrem Auftraggeber benannt und soll mit 1,2km die längste Teakholzbrücke der Welt sein. Da wir noch etwas Zeit haben (Sonnenuntergang um 17:30), kurven wir durch die Gegend, am Fluss entlang und landen irgendwann in bitterster Armut. Das haben wir so nicht erwartet. Erst hier erschließt es sich uns wirklich, dass wir uns in einem Dritte Welt-Land befinden. Die Menschen hausen in Baracken, Kinder spielen im Müll (wenn sie ihn gerade nicht sammeln), dünne Kühe laufen durch die Gegend… Es sind Bilder, wie wir sie im reichen Europa eigentlich nur aus dem Fernsehen kennen, ein kompletter Kulturschock. Uns wird immer stärker bewusst, wie gut wir es eigentlich haben. Besonders Raphaela zeigt wieder ihr gutes Herz und ist wirklich geschockt, mit Tränen in den Augen. Trotzdem sehen wir nur lachende Gesichter. Die Menschen hier haben kaum etwas, aber sie haben ihr Lachen. Wir sollten uns wirklich etwas davon abschauen.

Mandalay Scooter Mandalay Hill Sonnenuntergang

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Raphaela bringt es allerdings treffend auf den Punkt: In zahlreichen Blogs beklagen sich Reisende, dass das Land seit der Öffnung für den Tourismus nicht mehr das Selbe sei und sich rasant entwickle. Sie kann nichts Schlechtes daran finden, dass mehr Kinder in die Schule gehen und weniger Menschen in Slums leben. Da gebe ich ihr Recht. Es wird interessant, die Entwicklung Myanmars in den kommenden Jahren zu beobachten. Die Menschen hier haben sich nur das Beste verdient.

Irgendwann kommen wir an der U-Bein-Brücke an und merken, dass wir wohl nicht die einzigen sind, die gerne einen Sonnenuntergang sehen würden. Der Thaungtaman-See, den die Brücke überspannt, ist beliebt bei den Fischern der Gegend, da er sehr seicht ist. Also waten diese mit ihren Angelruten durch das Wasser und fangen (überaus erfolgreich) das Abendessen.

Mandalay Scooter Mandalay Hill Sonnenuntergang

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Es ist eine wunderschöne Gegend, mit Bäumen im Wasser und der beeindruckenden Brücke.

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Auf dieser wird Essen ebenso verkauft wie Getränke oder lebendige Spatzen, die man dann als Glückssymbol fliegen lassen kann.

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Der Sonnenuntergang schlägt allerdings alles bisher Gesehene. Für jene, denen das Spektakel auf der Brücke nicht genügt, stehen Boote bereit, auf denen man das Ganze mit Sektchen in der Hand bewundern kann. Fehlt irgendwie nur mehr der Kolonialhut von Melania Trump. :D

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Uns reicht die Brücke und wir sind begeistert zu sehen, wie sich die Farbe des Himmels verändert, von glänzendem Gelb über intensives Gold bis zu einem brennenden Rot. Es ist schwer, diese Farben zu beschreiben und absolut zauberhaft. Wir werden wohl noch viele Sonnenuntergänge auf der Reise sehen, ob dieser wohl zu überbieten sein wird? Wir werden wohl irgendwann eine Hitliste aufstellen. Mehr Fotos dazu gibts in der Gallierie.

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Auf dem Rückweg ist Raphaela wieder gefragt und wird zu zahlreichen Fotos eingeladen. Ich habe halt echt eine hübsche Frau.

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Der Rückweg mit dem Scooter ist abenteuerlich. Erst biegen wir etwas falsch ab und kommen somit mitten in der Rush Hour auf die am stärksten befahrene Straße der ganzen Stadt, dann wenden wir sehr kreativ, passen uns dem Verkehr an, winden uns durch, werden ausgebremst und bremsen aus. Da es dunkel ist, wird es immer interessanter, da das Licht nicht bei allen Verkehrsteilnehmern zu funktionieren scheint, ebenso wenig wie das Einhalten der Fahrrichtung. Es macht aber ehrlich gesagt immer noch ziemlich viel Spaß. Trotzdem sind wir irgendwann froh, wieder im Hotel anzukommen. Der Staub in den Augen war nämlich etwas unangenehm.

Wir gönnen uns eine Dusche und dann endlich etwas zu Essen, wir hatten nämlich seit dem Frühstück nichts mehr (bei der Hitze stellt sich der Hunger nicht so schnell ein). Ich entscheide mich für Indisch (gute Bewertungen, nicht weit vom Hotel entfernt) und bald bestellen wir Wasserbüffelcurry, Entencurry und Käsecurry. Obwohl es nur drei Gerichte sind, biegt sich der Tisch. Es gibt nämlich immer inklusive unbegrenzt Tomaten- und Kartoffelcurry sowie Reis, Dal, Suppe und Gemüse.

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Vollkommen vollgefressen rollen wir zurück ins Hotel und verziehen uns noch auf einen Drink auf die Dachterrasse. Pünktlich um 22:30 fallen wir ins Bett. Morgen müssen wir früh raus, es geht nämlich mit dem Schiff nach Bagan.

 

Comments


Siko 10.17.2018

Faszinierend, einfach wunderschön. Kompliment den Autoren.

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