• Menu
  • Menu

Mit vielen Hähnen auf Bali

Mit vielen Hähnen auf Bali

Schlaf ist so etwas Schönes. :-) Nach einer eher schlaflosen Woche aufgrund singender Muezzine und diverser Vulkanbesteigungen, wollen wir es in Bali ruhig angehen. Dafür haben wir uns für drei Nächte im „Sanur House“ eingemietet und sogleich in diese Unterkunft hier verliebt. Sanur ist ein Touristenort im Süden von Bali nahe der Hauptstadt Denpasar. Auch wenn unsere Unterkunft sehr zentral in dieser Touristenstadt gelegen ist, ist es angenehm ruhig. Entsprechend gut schlafen wir auch. :-)

Die Mitarbeiter sind unglaublich freundlich und wir werden „Mister Armin“ und „Miss Raphaela“ genannt. Das wir verheiratet sind, ist irgendwie untergegangen. :D Das Sanour House bietet bei den Frühstücksoptionen auch einen Pancake an, der nicht umsonst „fluffy me“ heißt.  Sehr lecker! :-)

Der Pool hat zu Armins großer Freude Thermaltemperatur und so verbringe nicht nur ich sehr viel Zeit im Wasser.

Außer uns sind hier hauptsächlich ältere Gäste (und mit „älter“ meine ich 70+) hier. Manche von ihnen braten auch gerne in der Sonne…. Zur Info, der Kopf dieses Herren war nach über einer Stunde in der prallen Sonne bei über 30 Grad rot wie eine Tomate. Kein Wunder, aber in dem Alter kann man sich wahrscheinlich alles erlauben… :-)

Ansonsten ist der Ort unglaublich beliebt bei Australiern. Ein Direktflug von Down Under nach Bali dauert auch ca. fünf bis sechs Stunden. Nicht weit von unserer Schlaf-Oase entfernt, befindet sich der Strand, der aber vollgeparkt ist mit Booten und daher leider wenig zum Plantschen im Meer einlädt. Dafür gibt es umso leckere Fisch- und Meeresfrüchtelokale. Wir toben uns also mit Hummer, Muscheln, Tintenfisch und Co. aus und genießen einen wunderschönen Vollmond am Strand.

Da wir uns auf Bali nicht sonderlich vorbereitet haben, diskutieren wir lange und breit rum, wohin es denn die letzten Tage in Asien nun gehen soll. Neben Bali selbst stehen noch die Gili-Inseln bei Lombok zur Auswahl sowie die Nusa-Inseln direkt neben Bali. Auch wenn meine Freundin Isabella vor ca. zwei Jahren einen Traumurlaub auf den Gili-Inseln verbracht hat, entscheiden wir uns dagegen, weil wir so viel Negatives über die Inselgruppe lesen. Letztes Jahr wurden die Gilis von einem Erdbeben getroffen und haben sich seither anscheinend noch nicht davon erholt. Des Weiteren berichten viele, dass die Inseln unglaublich zugemüllt sein sollen und auf das haben wir keine Lust mehr. So entscheiden wir uns, den kürzeren Weg nach Nusa Lembongan zu nehmen, die erste von drei Inseln neben Bali, die mit dem Speedboot eine halbe Stunde entfernt liegen. Wir buchen aber nicht das überteuerte Speedboot, sondern das öffentliche Schiff, dass zwar ca. 1,5 Stunden braucht, dafür uns aber nur 9€ pro Person kostet (anstatt 25).

Doch es sollte alles ganz anders kommen. Pünktlich sind wir am Freitag um 10.30 Uhr am Treffpunkt unseres Ticketverkäufers und warten hier mal. Das Boot sollte um 11.00 Uhr ablegen. Um ca. zehn nach elf gehen wir endlich zum Pier, wo uns erklärt wird, dass das nächste Boot erst um 12.00 Uhr abfährt, da wir gerade die einzigen Gäste sind. Wissend, dass dies nur auf noch weitere Verzögerungen hinausläuft, da das Unternehmen kein fast leeres Boot wegschicken will, dreht Armin mal ordentlich auf und erklärt den Herren in ziemlich scharfen Ton, dass wir eine Abfahrt um 10.30 Uhr gebucht haben und wir nicht bereit sind noch weitere Stunden zu warten, nur weil sie ihr Boot nicht vollbekommen. Das zeigt Wirkung und wir werden kurzerhand in das Speedboot nebenan verfrachtet. Zum gleichen Preise. Das Speedboot würde sonst ca. das Doppelte kosten. :D

Auf Nusa Lembongan angekommen, werden wir mit einem Tuktuk zur Yellow Bridge gebracht. Die gelbe Brücke verbindet Lembongan mit der kleineren Nachbarinsel Nusa Ceningan, auf der wir einen Bungalow in einem neuen Guesthouse, der Tatak Bunut Villa, gebucht haben, welche erst seit November geöffnet hat. Die zwei jüngeren Brüder des Besitzers holen uns mit ihren Scootern ab und bringen uns über eine kleine Straße den Hügel hoch, abseits der Touristenzonen. Wir freuen uns auf ein paar Tage der Entspannung in einem sehr schönen Ambiente. Aber auch hier sollte alles anders kommen.

Die Bungalows sind super und toll gebaut und der Pool ist richtig angenehm. Da es nur fünf Bungalows gibt, könnte man hier wirklich wunderbar entspannen. Aber wir haben ja besonderes Glück mit gewissen Viechern: Hähne. Unsere Unterkunft ist von ca. sechs oder sieben dieser schreienden Biester umzingelt. Die Familie des Betreibers hat natürlich auch einige davon. Die Hähne krähen den ganzen Tag. Die Tiere werden hier nicht nur für den Bauernhof gehalten, sondern auch als Opfergaben für die Hindutempel und vor allem für die hier sehr beliebten Hahnenkämpfe.

Wie erwartet endet unsere erste Nacht in unserem neuen Bungalow bereits um 4.00 Uhr morgens. Ein Hahn fängt mit dem Gekreische an und stachelt die anderen damit auf. Somit schreien sie im Kreis. So geht das dann bis kurz nach Sonnenuntergang. Wir schnappen uns daher einen Scooter von unserem Guesthouse und fahren die beiden Inseln ab, auf der Suche nach einem ruhigeren Ort. Leider werden wir nicht fündig. Überall krähen Hähne, es ist zum Verrücktwerden. Wir erfahren, dass die Viecher aus genannten Gründen überall gehalten werden und kriegen dauernd „das ist die Insel“ zu hören. :-)  Wir beschließen also nach einer weiteren Nacht wieder nach Bali zurückzukehren. So schön es ist hier auch ist, wir wollen Schlaf.

Und schön wäre es hier wirklich. An der Küste reiht sich eine gemütliche Bar an die nächste. Das Meer ist türkisblau. Ein wunderschöner Anblick. Auch wenn leider hier irgendwie der Strand zum Entspannen fehlt, aber will man denn hier schon meckern? :-)

Und das Essen ist auch sehr lecker. Zumindest wenn es Westlich ist. Die beiden traditionellen indonesischen Gerichte Nasi Goreng (gebratenen Reis) und Mi Goreng (gebratenen Nudeln) können wir schön langsam nicht mehr sehen...

Wie könnte es anders sein, lernen wir natürlich ein paar neue Freunde kennen. Also Hunde, versteht sich. :-)

Man hat sich natürlich auch hier die Werbemöglichkeiten über Social Media zu Nutze gemacht und so stehen vor jeder Bar Schaukeln, Holzboote und Hängematten, die sich für das perfekte Instagram-Bild eignen. Diese werden natürlich entsprechend angenommen und so werden hier permanent Fotos gemacht. Ein Paar ist sogar mit der Videokamera hier.

Zugegeben, der Ort ist wirklich perfekt zum Angeben. Der Sonnenuntergang während der Ebbe ist einer der Schönsten, den wir je gesehen haben. Die untergehende Sonne spiegelt sich in den kleinen Pfützen zwischen dem Sand.

An unserem letzten Morgen auf Nusa Ceningan wollen wir auch nochmal schöne Bilder von uns vor dem türkiesen Wasser schießen und werden überrascht, dass die Flut noch nicht zurückgekehrt ist. Dafür dürfen wir nun beobachten, wie das Wasser langsam, aber dennoch stetig steigt. Das ist richtig cool und hat auch Armin so noch nicht erlebt. Hier habt ihr einen kleinen Vergleich wie sich die Szenerie im Minutentakt ändert.

Schlussendlich bekomme ich doch noch meine gewünschten Pärchenfotos und so können wir zufrieden die Insel (wieder mit einem Speedboot und diesmal um ca. 12,50€ pro Nase) wieder verlassen.

Zurück auf Bali und im Sanur House freuen nicht nur wir uns wieder hier zu sein, auch das Personal begrüßt uns ganz überschwänglich. Sie sind wirklich herzig hier. Wir bekommen sogar das gleiche Zimmer wieder.

Da Armin heute Geburtstag hat bekommt er auch noch eine Überraschung vom Haus. Einen besonders fluffigen Geburtstags-Pancake. :-) Den darf er sogar im Pool essen. Normalerweise legt er nicht so viel Wert auf seinen Geburtstag, aber über diese Überraschung freut er sich wirklich. :-)

Den Rest des Tages verbringen wir mit Ausspannen und telefonieren endlich wieder einmal mit Südtirol und Altmünster. Wir müssen mit Schrecken feststellen, dass unser Patenkind Jakob schon fast gehen und auch schon „Mama“ sagen kann. Kinder, wo geht die Zeit nur hin?

Da wir doch zumindest ein bisschen mehr von Bali sehen sollten als nur unser Guesthouse, beschließen wir am darauffolgenden Tag uns noch einen Hindu-Tempel zu erkunden. Der Uluwatu-Tempel soll nun wirklich der letzte Tempel sein. Er ist ganz im Süden von Bali an einer Klippe gelegen. Mit dem Scooter brauchen wir für die Strecke von 35km über zwei Stunden. Wir haben erwartet, dass sich nach Denpasar der Verkehr etwas beruhig, aber Fehlanzeige. Das Stadtgebiet hört einfach nicht auf. Bei wolkenlosen Himmel und somit in sengender Hitze quälen wir uns durch den Verkehr, der vor allem durch die Unfähigkeit der lokalen Bevölkerungen zum Autofahren sehr mühsam wird. Und dann fahren wir auch noch in eine Polizeikontrolle…

Nach über fünf Monaten Scooter-Fahren in Asien passiert es Armin zum ersten Mal, dass er seinen Führerschein nicht mit hat. Naja, da ohnehin nur Ausländer kontrolliert werden, ist anzunehmen, dass die Polizisten dann etwas anders zu bemängeln gehabt hätten. Sie meinen, wir können ihnen einfach 300.000 Rupia (ca. 19€) unter der Hand zahlen und die Sache ist erledigt, oder in die Polizeistation gegenüber gehen, wo wir eine Million Rupia (ca. 70€) zahlen. Äußerst widerwillig zahlt Armin und wir fahren weiter (Anmerkung Armin: Später finde ich heraus, dass die Strafe für Fahren ohne Führerschein 250.000 Rupia ist… Bali war wirklich die einzige Station, wo ich mich nicht über korrupte Polizei informiert habe. Schön blöd… :-) ). Bei all dieser Anstrengen auch noch von der Polizei abgezockt zu werden, da muss der Tempel dann schon was können.

Gleich vor weg: Kann er nicht. Der Tempel aus dem 11. Jahrhundert ist 70m über dem Meer errichtet, die Aussicht ist wirklich schön. Das war’s dann aber auch. Dafür zahlen zur Abwechslung Ausländer hier einmal den gleichen Preis wie Inländern.

Das wirkliche Highlight hier sind aber die Affen. Im Wald rund um den Tempel lebt eine Horde Makaken, die sich so an die vielen Touristen gewöhnt haben, dass sie frech auf einen zu kommen und Futter fordern bzw. einfach in Taschen und Rucksäcken danach suchen. So auch bei mir. Ein Weibchen stellt sich einfach neben mir auf, greift meine Hände und dreht sie um, damit sie die Innenseiten sehen kann. Die Tiere wissen also, wo sie Futter suchen müssen. Da wir nichts dabei haben (und ich auch kein Fan davon bin, wilden Tiere irgendwelches Knabberzeugs zu geben), reicht Armin dem Affen einfach eine angefangen Banane vom Boden. Sie gibt sich damit zufrieden und verspeist neben mir gemütlich ihr Fresschen. :-)

Am Rückweg machen wir natürlich nicht noch einmal den Fehler und fahren in die Polizeikontrolle. Wir weichen dank Google-Maps auf einigen schmalen Nebenstraßen aus. Wäre doch zu schön gewesen, hier zu noch mal zu zahlen.

Zurück brauchen wir auch noch einmal über zwei Stunden. Am Ende können wir den Abgasdreck von unserer Haut wischen. Bäh. Wir sind so fertig, dass wir beschließen, die letzten zwei Tage am Pool beim Entspannen zu verbringen. :-) Armin gönnt sich noch mehrere Massagen und ich lese mich ein bisschen in unser nächstes Abenteuer Neuseeland ein.

An unserem letzten Abend besuchen wir noch den lokalen Nachtmarkt. Das Essen ist sehr lecker und günstig. Wir bezahlen für zwei Mal Reis mit verschiedenen Fleisch- und Gemüsesachen in Soße ca. 5€. Natürlich gibt es zum Abschluss noch eine Nachspeise. Aber nicht irgendeine Nachspeise, nein. Armin entscheidet sich für ein riesiges, geiles, fettes Weißbrot-Ungetüm mit Schokocreme und Karamellüberzug. Knapp aber doch, schaffen wir dieses gigantische Schähm-Dich. :-)

Armin kauft sich dann am Markt noch zwei Paar neue Flipflops für umgerechnet 2€ das Paar (ohne zu handeln…) und macht damit die Verkäuferin sehr glücklich. Danach gehen wir wieder zurück in unser schönes Guesthouse und packen unsere Rucksäcke. Denn morgen geht es weiter ans schönes Ende der Welt: Neuseeland. Dafür hat sich Armin übrigens eine Angelroute gekauft. :D Für umgerechnet 15€ inklusive Zubehör kann man ja wohl nichts falsch machen und so hofft er auf ein bisschen Spaß an Neuseelands Seen. :-)

Comments


Empty

Leave a Comment: