• Menu
  • Menu

Schwefelhölle am Vulkan Ijen

Schwefelhölle am Vulkan Ijen

Irgendwie kann Raphaela diese Sache mit den Vulkanen nicht sein lassen und nimmt auch wenig bis gar keine Rücksicht darauf, dass ich doch ganz gerne schlafe… :-) Aber da ich der beste Ehemann der Welt bin, verzichte ich fast komplett auf Schlaf, nur um Mitternacht wieder aus dem Bett zu springen und eine weitere Nachtwanderung einzulegen. Aber der Reihe nach…

Mit dem Zug geht es nach der Bromo-Besichtigung weiter ins Städtchen Banyuwangi, dem Tor zur Insel Bali. Dort haben wir uns ins Banana-Guesthouse eingemietet, weil uns dieses von einem Pärchen, das wir in Joghurtkarta kennengelernt haben empfohlen worden war. Auch die Tour zum Ijen buchen wir über das Guesthouse, war diese ja auch wärmstens angeboten worden. Der freundliche Besitzer holt uns am Bahnhof ab und bald darauf finden wir uns mit einem anderen Paar aus Deutschland im Privathaus unseres Gastgebers wieder. Diese räumen für uns ihr Zimmer und schlafen auf einem Klappbett am Dachboden. So läuft das wohl öfters bei echten Homestays. :-) Während Raphaela bald einschläft, ist mein Schlafrhythmus trotz der frühen Bromotour nicht auf Schlafen eingestellt. Und genau als ich endlich einschlafe, läutet auch schon der Wecker, denn Raphaela will irgendwie zu den blauen Flammen und den Schwefelarbeitern des Mount Ijen. Mit vier weiteren Personen bringt uns ein Fahrer in tiefstem Nebel bei 0 Sicht mit etwas waghalsiger Geschwindigkeit (Anmerkung Raphaela: „etwas“? Der Typ ist gefahren wie ein Irrer!) über eine kurvige Straße zum Ausgang der Wanderung. Von dort geht es 3km den Kraterrand hoch. Auch wenn das im ersten Moment nach wenig klingt: Mitten in der Nacht, bei hoher Luftfeuchtigkeit auf 2.300 Höhenmetern einen Weg zu erklimmen, der nur steil raufgeht, kann doch etwas anstrengender sein. Dementsprechend hat z.B. Raphaela nicht allzu lange so gelacht. :-)

Im Ijen-Hochland, einer Caldera, die wahrscheinlich ca. 130.000 Jahre alt ist, erhebt sich die Hauptattraktion, der Ijen-Vulkan. Im Krater befindet sich ein 960m langer und 600m breiter See, der bis zu 200m tief ist. Deshalb wird der Vulkan auch „das größte Säurefass der Welt“ genannt. Daneben ist der Vulkan für zwei weitere Attraktionen bekannt: Einerseits wird hier seit 1968 Schwefel gewonnen. Und in diesem Zusammenhang stehen auch die berühmten blauen Flammen. Der Vulkan verfügt über eine der aktivsten Solfataren der Erde, aus denen Schwefelgas entweicht. Diese werden mit Rohren zu tiefer liegenden Entnahmepunkten geleitet. Dort tritt der Schwefel als 120°C heiße, zähflüssige orange Masse aus, kühlt ab und verwandelt sich dabei in leuchtendes Gelb.

Mit Brechstangen wird der erkaltete Schwefel seit 1968 von Arbeitern herausgebrochen und mit Körben auf einem Geröllpfad 200 Höhenmeter bis zum Kraterrand getragen, dort zerkleinert und ins Tal gebracht. Zwischen 80 bis 100kg kann ein Arbeiter pro Aufstieg bewältigen und dabei wiegen die meisten der Jungs hier selbst kaum über 50kg.

Für 1kg Schwefel gibt es 1.000 Rupien, was umgerechnet ca. 6 Cent entspricht. Bis zu 6 Tonnen holen die Arbeiter täglich aus dem Krater, die Menge, die der Vulkan an einem Tag wieder nachbilden kann. Die Arbeit ist unglaublich schweißtreibend und gefährlich. Die meisten der Arbeiter sind ohne Gasmasken unterwegs und somit ein (kurzes) Leben lang den giftigen Schwefeldämpfen ausgesetzt. Obwohl es immer nach faulen Eiern riecht, bekommen Raphaela und ich einmal auch eine richtige Ladung Schwefeldampf ab, als der Wind sich dreht. Die Hitze ist kaum auszuhalten, das giftige Gas brennt in den Lungen und Atmen ist auch durch die Gasmaske kaum möglich. Während ich also die Luft anhalte, hustet Raphaela schön vor sich hin, sie hat die Gaswolke nämlich nicht kommen gesehen. :-)

Wir sind natürlich auch wegen der blauen Flammen gekommen. Bei Überhitzung entzündet sich das austretende Schwefelgas manchmal. In der Dunkelheit ergibt sich daraus eine mystische Stimmung.

Und Raphaela lässt es sich natürlich nicht nehmen, kurz die Finger in den Kratersee zu stecken. Glücklicherweise lösen die sich im Säuresee nicht auf (also wohl kein guter Ort, um eine Leiche verschwinden zu lassen :-) ).

Auf dem Weg zurück aus dem Krater versuchen wir uns am Tragen eines Schwefelkorbes. Ich schaffe es zwar, die ca. 90kg auf die Schultern zu hieven, kann mir aber kaum vorstellen, dass es Spaß macht, das Zeug weiter zu tragen.

Und auch Raphaela wagt sich tapfer an die schweren Körbe. Wie auch immer sie das schafft, aber sie schultert die 90kg Schwefel mit einem Lächeln. :D

O.k., zugegebenermaßen stehen die Körbe bei Raphaela weiterhin auf den Steinen, aber was der Kamerawinkel nicht alles ausmachen kann. :-) Der richtige Winkel macht es auch bei Reiseerlebnissen aus. So schön das jetzt alles klingt, die Nachwanderung in den Krater des Ijen enttäuscht uns leider. Es schaut zwar im ersten Moment so aus, als wäre man fast alleine, tatsächlich strömen aber auch außerhalb der Saison zahllose Menschen in den Krater. Eine fast endlose Schlange (vorwiegend asiatischer) Toursiten klettert den steilen Weg am Kraterrand hinunter und man muss sich für ein Foto wirklich beeilen, auch weil es fast unmöglich ist, durch die Menschenmassen zu einem ordentlichen Aussichtspunkt zu kommen.

Die berühmten blauen Flammen sehen schon nett aus und es scheint, als wenn sie relativ großflächig wären. Aber auch hier kommt es auf den Kamerawinkel und die Entfernung an. Als ich mich endlich durch die Menschenmassen gekämpft habe, die mit hell erleuchteten Smartphones filmen und deshalb die Sicht verstellen, schaffe ich es, genau ein gutes Foto zu machen. Die brennende Fläche ist allerdings nur ca. 20x20cm groß. Und es dauert nicht lange, bis ein Minenarbeiter einen Kübel Wasser auf die Flammen kippt, die Touris vollspritzt und in Schwefelnebel hüllt. Blaue Flamme heißt nämlich, dass das Schwefelgas verbrennt und somit weniger Schwefel zum Ernten bleibt. Wir sind wirklich überrascht über die Massenabfertigung. Rauf auf den Vulkan, schnell in den Krater, mit Glück ein Foto von den blauen Flammen erwischen, wenn nicht gerade halb China im Krater steht und dann flott wieder nach oben. Der Ausflug in den Krater war also nicht ganz das, was wir uns erwartet haben. Umso schöner ist aber anschließend die Zeit am Kraterrand, als es langsam hell wird und das Licht die Blicke auf die ganze Vulkanszenerie zulässt. Für diese Ausblicke hat sich der Aufstieg gelohnt.

Irgendwann spazieren wir zurück zum Parkplatz und merken unterwegs, dass der Weg doch relativ weit gewesen ist. Es scheint, nicht mehr aufzuhören. Nach ein paar frittierten Bananen geht es mit unserem Formel-1-Fahrer zurück ins Guesthouse, wo schon ein leckeres Frühstück auf uns wartet.

Raphaela legt sich kurz hin und ich buche einen Fahrer, der uns vom Fährhafen in Bali nach Denpasar bringen soll. Und so sitzen wir einige Zeit später auf der Fähre, begleitet vom Besitzer unseres Guesthouses, der auch sicher gehen will, dass wir den richtigen Fahrer erwischen und nicht einem Betrüger aufsitzen (und natürlich will er auch noch die Vermittlungsprovision abholen, das sagt er aber nicht :-) ). Trotzdem sehr nett. Während wir fahren, buchen wir uns in ein Hotel in Sanur, nahe der balinesischen Hauptstadt Denpasar, ein und hoffen, ein paar ruhige Tage zu erleben und schön ausschlafen zu können. Wir sind schon gespannt auf Bali, es muss doch einen Grund geben, wieso jährlich so viele Touristen hierher kommen.

Zusammenfassend zum Ijen sei gesagt: Von den blauen Flammen, eigentlich die Hauptattraktion, waren wir enttäuscht. Diese waren es nicht wert, mitten in der Nacht aufzustehen. Der Vulkankrater selbst, der See und die Fumarolen sind jedoch sehr sehenswert. Würden wir noch einmal hier herkommen, würden wir wohl gemütlich ausschlafen, einen Scooter mieten, eine Stunde zum Parkplatz fahren, gemütlich bei Tageslicht raufwandern und alles besichtigen, ohne Zeitdruck einer organisierten Tour den Ausflug genießen und auch noch einen Haufen Geld sparen. Also wieder was gelernt. J

Comments


Empty

Leave a Comment: