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Tempelbesuche in Yogyakarta

Tempelbesuche in Yogyakarta

Ein Grab-Taxi bringt uns zum Bahnhof von Jakarta. Unsere Tickets haben wir bereits online auf tiket.com gekauft, somit müssen wir diese nur noch am Automaten ausdrucken. Alles läuft schnell und unkompliziert ab und so haben wir noch genügend Zeit für ein kleines Frühstück am Bahnhof. Am Bahnsteig erleben wir dann eine Art Abschiedszeremonie. Bei jedem abfahrenden Zug, stehen die Bahnhofsmitarbeiter am Rande des Bahnsteiges und senken die Köpfe bis der Zug den Bahnhof verlassen hat.

Die achtstündige Zugfahrt nach Yogyakarta bestreiten wir in der durchaus komfortablen Executive-Klasse, die vor allem zu Armins Freuden sehr viel Beinfreiheit bietet. Es ist natürlich wieder super-kalt. :D Auch wenn Zug- und Busfahrten oft lang und mühsam sind, machen wir sie immer wieder gerne, weil sie meist eine tolle Aussicht auf die umliegende Landschaft bieten. So fahren wir stundenlang durch schöne Reisfelder und werden mit einem noch schöneren Sonnenuntergang belohnt.

Yogyakarta (sprich: Jogjakarta oder von uns liebevoll einfach Joghurtkarta genannt :D ) ist das kulturelle und künstlerische Zentrum Javas und mit ca. 422.000 Einwohnern sogar überschaubar. Wir kommen mit nur ca. 20 Minuten Verspätung an und bestellen uns natürlich sogleich ein Grab, dass uns in unsere neue Unterkunft, dem Nextdoor Homestay, bringt. Wir bekommen ein schönes Doppelzimmer mit eigenem Bad, welches sich (fast) unter freiem Himmel befindet. Eine Eigenheit die in Indonesien öfter vorkommt.

Wir werden vom Personal unglaublich nett in Empfang genommen und fühlen uns sogleich richtig wohl. Ein Mitarbeiter erklärt uns alle wichtigen Touristenattraktionen in der Stadt und der Umgebung (inklusive mehrerer Tempel, die ich gerne besuchen möchte, auch wenn Armin davon wenig begeistert ist) und (das wichtigste überhaupt) wo wir essen gehen sollen. :-) Da wir ohnehin sehr hungrig sind schlagen wir uns in einem kleinen Lokal in der Nähe noch schnell die Mägen voll, bevor wir sehr müde in unser gemütliches Bettchen fallen. Lange Zugfahrten sind zwar nett, aber anstrengend.

Den nächsten Tag verbringen wir mit einer meiner Lieblingsbeschäftigungen: Entspannen. Wir genießen vor allem den schönen kleinen Pool in unserer Unterkunft. Hier können wir unser Tagebuch auf den aktuellen Stand bringen und für die kommenden Abenteuer der nächsten Tage recherchieren. Da es uns hier gut gefällt, beschließen wir den Aufenthalt um weitere vier Nächte zu verlängern und dürfen in ein etwas luxuriöseres Zimmer umziehen, das sogar eine eigene Terrasse hat.:-)

Leider schlafen wir nicht so gut. In der ersten Nacht waren wir wohl so fertig, dass wir die sage und schreibe fünf (!) Moscheen in unserer unmittelbaren Umgebung mit ihren singenden Muezzinen um 4.00 Uhr morgens nicht gehört haben. Das ändert sich diese Nacht. Eine halbe Stunde ertönte es im Kanon von mehreren Minaretten. Es dauert bis wir wieder einschlafen.

Wir beschießen heute unsere Tempelerkundung zu beginnen. Durch das Hotel können wir einen Scooter leihen und Armin fährt voller Freude und wie ein Einheimischer durch den etwas turbulenten Straßenverkehr. Nichts was er nicht aus Süditalien kennt. Wir geraten mit 30 anderen Mopedfahrern in eine Polizeikontrolle, werden aber (im Gegensatz zu den anderen) nur gefragt, woher wir kommen, bevor uns freundlich eine schöne Fahrt gewünscht wird. :-) Schnell merken wir, dass die Mopedfahrer hier nicht das Problem darstellen. Es sind die Autos, die das Chaos verursachen, denn offensichtlich sind die Indonesier nicht die geübtesten Autofahrer.

Unser Ziel heute heißt Borobudur, der größte buddhistische Tempel der Welt. Er wird auf ca. 750 bis 850 n.Chr. datiert, wobei er aber (wahrscheinlich aufgrund eines Vulkanausbruches) wenige Zeit später verschüttet und somit in Vergessenheit geraten ist. Die Natur hat die Tempelanlage überwuchert und erst 1814 während der holländischen Kolonialherrschaft wurde diese wiederentdeckt und schließlich 1835 frei gelegt. Die Anlage befindet sich ca. 25km nördlich von Yogyakarta und ist seit 1991 UNESCO-Weltkulturerbe.

Für den Weg dorthin hat man uns im Homestay eine Strecke gezeigt, die durch schöne Reisfelder führen soll. Und so ist es auch. Weg von der viel befahrenen Straße, düsen wir einen schmalen, aber zumindest asphaltierten Weg entlang, der uns schließlich über einen Berg führt, wo es so steil ist, dass wir manchmal nicht wissen, ob unser fahrbarer Untersatz es schaffen wird. :D

Während unserer Fahrt können wir beobachten wie die Reisfelder bestellt und abgeerntet werden. Dabei wird die Erde wohl so gut durchgeackert, dass einige Kriechtiere zu Tage befördert werden. Zumindest lässt die gierige Vogelschar auf diesen Umstand schließen, die sich genau in der Fahrspur des Ackers versammelt. :D

Des Weiteren dürfen wir braune Gänse beobachten. Diese Art der Watscheltiere kannten wir bisher noch nicht. Sieht aber sehr süß aus wie sie da die Straße entlanglaufen.

Da Landschafts-Sightseeing Zeit kostet brauchen wir über zwei Stunden bis wir beim Tempel ankommen. Der Kulturausflug heutet kostet uns einiges. Für das Kombinationsticket (mit dem Hindu-Tempel Prambanan) müssen Ausländer 40$ bezahlen, Einheimische hingegen nur 5$. Wir bezahlen somit das 8-fache! Das ist wirklich heftig. Wir sind entsprechend verärgert. Ok, ich bin verärgert, Armin ist stinksauer. Er gibt mir klar zu verstehen, dass er den Preisunterschied für eine bodenlose Frechheit hält (ist es ja auch) und dass er nicht hierhergekommen wäre, hätte er von diesem krassen Unterschied im Vorhinein gewusst. Verärgert (und ich etwas geknickt, weil der Ausflug meine Idee war) beginnen wir uns auf den Weg zu machen. Bevor wir überhaupt noch den Tempel besteigen können, werden wir aber schon wieder zum beliebten Fotomotiv (wir sollten dafür Geld verlangen). :-)

Der Tempel ist als Stufenpyramide auf einen Hügel angelegt. Auf jeder Seite führt eine steile Treppe zur obersten Stupa empor. Sechs quadratische Ebenen und drei kreisförmige Terrassen stellen den Weg von der „untersten“ Welt (der Welt der Menschen) über die „Sinnewelt“ (Übergangswelt, wenn der Mensch stirbt) in die „feinkörperliche Welt“ (die Welt der Götter) dar. Es ist unglaublich heiß, aber da wir schon einmal hier sind, machen wir uns an den Aufstieg.

Wir schauen uns jede Ebene des Tempels an und stürmen nicht gleich empor wie viele andere. Die Steinfiguren sind wirklich gut erhalten und sehr schön. Bei vielen Buddhas fehlt allerdings der Kopf. :-)

Armins Stimmung wird nicht besser als wir auf einem Schild lesen, dass die letzte Restaurierung auch noch Deutschland gezahlt hat. Als Deutscher darf man also die Erhaltung des Tempels mit seinen Steuern finanzieren und dann noch den erhöhten Eintrittspreis bezahlen. Aha. Was dann mit dem Geld der Tickets passiert wissen wir nicht.

Zumindest werden wir auf den oberen Ebenen mit einer wirklich beeindruckenden Aussicht belohnt. Rundherum ist es grün, an einer Seite begrenzen Berge den Tempel. An den Terrassen wurden glockenförmige Kuppeln errichtet, in denen jeweils ein Buddha sitzt, der in die Welt hinaus blickt. Es sieht wirklich toll aus.

Und wer jetzt denkt, dass wohl nicht noch etwas kommen kann, der irrt. Am Weg Richtung Ausgang wird man auch noch zum Elefantenreiten eingeladen. Drei Elefanten mit angebundenen Körben stehen auf einem kleinen Platz rum und warten auf Touristen. Die Guides sitzen auf ihnen und rauchen. Ein weiterer Elefantenbulle ist in einer Box eingesperrt und eine Elefantendame an einer ca. zwei Meter langen Eisenkette angebunden. Das alles auf Steinboden natürlich. Ohne Wasser oder Futter. Nebenan wären ein paar Quadratmeter Erde, die aber auch nicht sehr einladend aussehen. Jetzt hab ich einen kurzfristigen Aussetzer und fange so zum Schimpfen an, dass mich Armin erstmals wieder beruhigen muss. Und wir finanzieren diese Tierquälerei auch noch mit…

Ich beschließe, ein entsprechendes E-Mail an die Veranstalter zu schreiben und in unseren (selbstverständlich negativen) Google- und Tripadvisor-Bewertungen auf den Umstand hinzuweisen, wie Elefanten hier gehalten werden. Wird zwar nicht viel bringen, hilft mir aber ein bisschen mich wieder ins Lot zu bekommen. Zu Elefanten muss man nett sein!!!

Das einzige lustige was uns noch passiert, ist eine Echse, die mich sehr nah an sich ranlässt. Zuvor beobachtet sie mich mit einem Auge. Cooles Tier!

Da man als Tourist ja noch nicht genug erlebt hat, wird einem auch noch der Weg zum Ausgang versüßt, in dem man durch ein Labyrinth aus Verkaufsstände marschieren muss. Wir haben ja bisher schon viel gesehen, aber das hier überbietet alles.

Enttäuscht, verärgert und hungrig machen wir uns auf den Rückweg. Da Armin ein neues Ladekabel für sein Handy benötigt, halten wir noch kurz bei einem kleinen Elektroladen. Und hier bekommen wir nun die Kirsche auf der Sahnetorte serviert. Obwohl die Box mit den Ladekabeln deutlich mit 10.000 Rupia beschriftet ist, muss Armin trotzdem 30.000 bezahlen. Immerhin nur das Dreifache. Auch wenn dies umgerechnet nur 1,88€ sind, haben wir heute genug vom Ausländerzuschlag…

Zurück in Yogyakarta gewinnt Armin zumindest wieder etwas Freude beim Straßenverkehr zurück. :D

Den Abend verbringen wir im vegetarischen Restaurant Milas. Es wurde uns von unserem Homestay empfohlen und ist wirklich sehr lecker. Armin freut sich über einen leckeren Salat (Salate mit guten Dressings sind in Asien eher eine Seltenheit) und ich stürze mich auf meine Falafel. Unsere Nachspeisen (ein mega schokiges Schokoladenmouse und ein Frozen Brownie mit Eis) versöhnen uns für den Tag. Wir werden wohl wiederkommen. ;-)

Die Muezzine wecken uns natürlich wieder auf. Nachdem wir endlich wieder einschlafen, schlafen wir etwas länger. Da es am Vormittag auch noch regnet (unser erster Regen am Vormittag in der Regenzeit :D ) nutzen wir die Zeit und Armin kauft sich eine neue Trekkingjacke, da er ja leider die letzte (die er in China gekauft hatte) am Lake Toba verloren hat.

Am Nachmittag geht es dann auf zum Hindutempel Prabanan, der im überteuerten Kombinationsticket inkludiert ist. Die Tempelanlage ist der größte hinduistische Tempel Indonesiens und wurde u m ca. 850 n.Chr. errichtet.

Beim Eingangsbereich werden wir von einer jungen Frau angesprochen, die sich uns als Führerin anbietet um ihre Englischkenntnisse zu verbessern. Da sie ein nettes und ehrliches Auftreten hat, freuen wir uns, dass uns jemand die Tempelanlage erklärt.

Weit kommen wir nicht, denn kurz nach dem Betreten der Anlage stürzt sich der weibliche Teil einer Schulklasse auf mich, mit der ich Fotos machen soll. Jedes Mädel will natürlich noch ein Einzelbild mit mir. Spätestens jetzt ist klar, dass wir definitiv dafür Geld verlangen sollten. :D Unsere Führerin spielt dabei brav Fotografin.

Armin macht inzwischen Fotos mit den Jungs der Schulgruppe. Danach bekommen wir endlich historischen Input. Der mittlere und größte Turm der Tempelanlage ist 47m hoch und dem Gott Shiva, dem Zerstörer gewidmet. Zerstören wird aber hier als „wiedererbauen“ anstatt „kaputt machen“ verstanden. Die beiden Tempel nebenan sind den Göttern Brahma, dem Erschaffer und Vishnu, dem Bewahrer gewidmet. Für jeden der drei Götter wurde außerdem noch ein weiterer kleinerer Tempel gegenüber erbaut, die den „Reittieren“ der jeweiligen Gottheiten gewidmet sind. Ein Bulle für Shiva, ein Schwan für Brahma und die vogel-ähnliche Figur Garuda für Vishnu. 

Die Tempel sind wirklich gut erhalten (sie wurden auch über Jahre sorgsam restauriert) und so dürfen wir eine Menge filigraner Reliefs bewundern.

Angeblich soll der Sonnenuntergang sehr schön sein über der Tempelanlage. Da es aber mittlerweile wieder zu regnen begonnen hat, bekommen wir dieses Lichtspektakel leider nicht zu sehen.

Unsere nette Führerin (deren Namen ich mir leider nicht merken konnte) macht noch ein cooles Selfie mit uns und so machen wir uns wieder auf den Weg zurück in die Stadt und zu unserem neuen Lieblingsrestaurant. Wer hätte gedacht, dass Armin einmal so begeistert von vegetarischem Essen sein kann? :-)

An unserem letzten ganzen Tag in Joghurtkarta (ich liebe diesen Namen) werden wir nicht nur von den Muezzinen geweckt. Nein, kurze Zeit später, um ca. 6.30 Uhr befördert uns ein ohrenbetäubendes Brummen aus dem Bett. Wir merken, dass draußen die Umgebung voller Rauch/Smog ist und es riecht verdächtig nach Petroleum. Das Geräusch will und will nicht aufhören (oder zumindest leiser werden). Es klingt als würde ein riesiger Generator in unserem Zimmer stehen. Von den Homestay-Mitarbeitern erfahren wir aber, dass es sich um eine „Mosquito-Kill-Aktion“ handelt. Wenn es vermehrt Fälle von Dengue-Fieber gibt, dann lässt die Regierung ein Gift versprühen, dass die Mosquitos töten soll. (Spoiler vorweg: Es funktioniert nicht. Ich werde am Abend wieder von mehreren Mücken gestochen. Welche Überraschung, die Viecher sind zäh. :D)

Komplett gerädert nutzen wir den Vormittag und schauen uns die letzten Touristenattraktionen der Stadt an. Zunächst statten wir dem Sultanspalast einen Besuch, der auch ein Museum beherbergen soll. Tatsächlich sind hier nur ein paar Kleidungsstücke ausgestellt, der Thron (oder zumindest eine Nachbildung davon, das ist uns nicht ganz klar) kann bewundert werden und ein paar Hähne sind in hohen Käfigen eingesperrt. Etwas fad das Ganze. :-) Immerhin crasht Armin wieder einmal ein Gruppenfoto. 

Entsprechend viel Blödsinn fällt uns dabei ein. :D

Offensichtlich ist heute Schulausflugstag und – wie könnte es anders sein – müssen wir wieder für Fotos gerade stehen. Wir kommen uns schon vor wie Filmstars. :D Bei einer Gruppe fragt jeder nach einem „Boomerang“ (eine Funktion bei Instagram).

Die einzigen Schüler, die nicht an uns interessiert sind, sind die, die offensichtlich von ihrem Kunstunterricht dazu verdonnert wurden, anhand der Palaststrukturen, realistisch zeichnen zu lernen. Einer davon ist durchaus talentiert.

Beim Verlassen des Gebäudes werden wir von einem Mann noch irgendwie genötigt in eine Batikfabrik zu gehen. Von diesen Touri-Fallen haben wir schon gelesen und so bewundern wir nur kurz das Handwerk der Arbeiterin und die angeblich „echten“ Batik-Bilder und suchen schnell das Weite.

Danach begeben wir uns auf dem Weg zum Wasserschloss, einem „Lustschloss“ des Sultans, welches im 18. Jahrhundert errichtet wurde und restaurierte Badebecken beherbergt. Das Schloss ist genau so interessant wie der Palast. Genau besteht es aus zwei größeren Wasserbecken. :D Während unseres Besuchs beginnt es leicht zu regnen. :D

Wir beschließen den Rest des Tages lieber entspannt am Pool zu verbringen. Armin erobert am Computer wieder irgendein Land und ich mache ein bisschen Stretching und Yoga. :-) Am Abend – wie könnte es anders sein – besuchen wir ein letztes Mal unseren Lieblingsvegetarier. Die Belegschaft kennt uns mittlerweile und ist sichtlich traurig, als wir ihnen mitteilen, dass wir morgen wieder weiterreisen werden. Aber zum Abschluss darf es noch einmal unser geliebter Frozen Brownie sein. Das Teil ist einfach so lecker! :-) Unsere zahlreichen Aufenthalte dürfen wir (sehr sehr spät aber doch) unseren edlen Spendern Christine&Mario Hörletseder widmen und wünschen viele liebe Grüße nach Altmünster und an ihre beiden tollen Jungs, die wir ganz furchtbar vermissen.

Joghurtkarta hat uns leider bis auf das Essen nicht so begeistert, aber das Essen war wenigstens super. :-)

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