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Über das Goteik-Viadukt nach Mandalay

Über das Goteik-Viadukt nach Mandalay

Heute geht es wieder zurück nach Mandalay. Und zwar mit dem Zug. Die Zugfahrt ist etwas besonders, da sie über das Goteik-Viadukt (auch Gokteik genannt) führt. Dieses Viadukt ist (professionell ausgedrückt) eine Eisenbahn-Bockbrücke, die nicht nur die höchste Brücke in Myanmar ist (ca. 250 Meter) sondern auch die größte ihrer Art war, als sie 1900 fertig gestellt wurde. 689m misst sie von Anfang bis Ende. Gebaute wurde sie natürlich vom Britischen Empire. Die vor uns liegende Fahrtstrecke von ca. 200km soll etwas ca. zwölf Stunden dauern. Der Zug ist nämlich sehr alt und fährt daher entsprechend langsam, was aber hauptsächlich an den mangelhaft gewarteten Gleisen liegt. Die sind so verbogen, dass der Zug einfach kaum schneller als 20km/h fahren kann. Laut ersten Recherchen im Internet steht uns eine abenteuerliche Fahrt bevor. :-)

Voll Vorfreude starten wir also am Morgen Richtung Bahnhof. Da man die Zugtickets nicht vorbuchen kann, wollen wir früh genug dort sein. Man weiß ja nie. Als wir eintreffen ist noch nicht viel los. Zwei Kanadier haben den gleichen Plan wie wir. Da sie aber bereits am Vortag die Streck nach Hispaw mit dem Zug gefahren sind können sie uns schon ausgiebig davon berichten was uns erwartet. Es soll ungemütlich werden. Der Zug würde ständig schwanken und holpern und manchmal hat man das Gefühl, man hebt am Sitz ab. Zunächst interessiert sich beim Ticketschalter niemand für uns, daher kann ich den Bahnhof besichtigten. Neben den üblichen Straßenverkäufern entdecke ich ein (nennen wir es) interessantes Deko-Element:

Myanmar Burma Goteik Viadukt Hsipaw Mandalay

Ich würde nur zu gerne die Geschichte kennen wie es ein alter Nazi-Helm in eine der tiefsten Provinzen Myanmars geschafft hat und wieso er hier so ausgestellt wird. Vielleicht wird das Kreuz als Glückssymbol gedeutet?

Irgendwann will man uns doch Tickets verkaufen. Die „Uperclass“ (also gepolsterte Sitze) sind schon ausgebucht. Also heißt es Holzklasse fahren. Das wird spannend. Wirklich interessant ist allerdings der Buchungsprozess an diesem Bahnhof. Nichts ist digital. Alles wird noch fein säuberlich handschriftlich in Notizheften vermerkt. Wenn der Zug losfährt, werden dann die vergebenen Sitze an den nächsten Bahnhof gefunkt, sodass man dort über die noch verkaufbaren Tickets Bescheid weiß. Es funktioniert auch so, jeder bekommt Tickets.

Myanmar Burma Goteik Viadukt Hsipaw Mandalay

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Mittlerweile ist der Bahnhof voller Menschen. Nicht nur Reisende (in diesem Fall ausschließlich Backpacker) nehmen diesen Zug, sondern auch sehr viele Einheimische, da er nach wie vor die günstigste Variante darstellt in die nächst größeren Städte zu kommen. Wir bezahlen für die Fahrt übrigens 1.700 Kyat pro Person. 85 Cent und das ist bereits der erhöhte Ausländerpreis. :-) Auf dem Bahnsteig entdecken wir auch noch zwei Typen mit Maschinengewehren und bekommen große Augen. Waffen haben etwas Beunruhigendes und wir mögen es nicht, wenn jemand mit diesen offen rumläuft (auch nicht bei der Polizei oder dem Militär). Die Kanadier erklären uns, dass die beiden Soldaten in Zivil sind und regelmäßig im Zug mitfahren. Man sei ja doch recht nahe an „Rebellengebiet“. Wer weiß, ob das stimmt. Ein Blick in die Gesichter der anderen westlichen Reisenden genügt um zu wissen, was sie davon halten.

Myanmar Burma Goteik Viadukt Hsipaw Mandalay

Pünktlich um 9.30 Uhr geht es los. Ein Schaffner weißt uns unsere Plätze zu. Die sind zwar von einer Verkäuferin mit vielen Körben und Taschen belegt, aber sie räumt auf Anweisung des Schaffners sofort die Plätze. Armin vermutet, dass der Zug aus den 1950ern stammt und ein „Überbleibsel“ von den Chinesen ist.

Myanmar Burma Goteik Viadukt Hsipaw Mandalay

Myanmar Burma Goteik Viadukt Hsipaw Mandalay

Der Zug ist ziemlich voll. Auf einer Bank sitzen nicht selten drei oder vier Personen, dazwischen werden riesengroße Taschen, Kisten und anderes Hab und Gut gestapelt. Wir nehmen an, dass es sich bei den meisten Frauen um Verkäuferinnen handelt, die in die nächste Stadt fahren um ihre Ware zu verkaufen. Einige sitzen auch am Gang auf ihren Habseligkeiten. Uns gegenüber gesellt sich recht bald ein älteres Paar mit ihrem (wir vermuten) Enkelkind. Die Kleine scheint krank zu sein, da sie immer wieder die Temperatur an der Stirn des Mädchens fühlen. Sie sprechen zwar alle kein Englisch, aber irgendwann verstehen wir, dass sie zum Arzt fahren. Sie steigen erst sechs Stunden später aus. Hier wird uns (wieder einmal) vor Augen geführt wie gut es uns eigentlich geht. Nicht nur wirtschaftlich, sondern auch betreffend unserer medizinischen Versorgung. Eine sechsstündige Fahrt zum Arzt ist wohl für uns undenkbar.

Myanmar Burma Goteik Viadukt Hsipaw Mandalay

Die Fahrt ist wirklich abenteuerlich. Der Zug ächzt und kracht und schwankt in alle Richtungen. Wenn wir aufstehen, müssen wir uns immer wieder festhalten, um nicht hinzufallen. Wie dabei diese Verkäuferin auch noch ihren riesigen Korb auf ihrem Kopf balancieren kann ist mir ein Rätsel.

Myanmar Burma Goteik Viadukt Hsipaw Mandalay

Um die Verbindung zwischen den Wagons zu überwinden, macht man am besten einen großen Ausfallschritt, da die Trittbretter sich nicht nur hin und her bewegen sondern vor allem auch rauf und runter. Dabei kann schon mal eine Differenz bis zu einem halben Meter entstehen. :D

Myanmar Burma Goteik Viadukt Hsipaw Mandalay

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Leider meldet sich nach kurzer Zeit mein Magen. Offensichtlich hat mir etwas vom Frühstück nicht gemundet und ich bekomme ordentliche Magen-/Darmschmerzen. Die Vorstellung in diesem wackeligen Zug auf die Toilette gehen zu müssen ist schon schlimm genug. Das zu benützende Klo ist noch viel schlimmer. Aber man wächst ja bekanntlich an seinen Aufgaben. Laut Armin ist mein Gesichtsausdruck beim Anblick des WC eine Mischung aus Ekel und purer Verzweiflung. Aber auf das Klo am anderen Ende des Wagons würde ich es nicht mehr schaffen. Und aus dem Zug hüpfen ist leider auch keine Option. Die jungen Burmesinnen, die der Nähe sitzen blicken mich alle mitleidig an. Im Gegensatz zu ihnen kann ich aber nicht auf die Klobrille steigen, so gut ist meine Balance-Fähigkeit leider nicht. Damit ihr auch etwas davon habt, hier ein Foto des besagten Objekts. :-) (Und ja der Boden stand unter Wasser – Edit Armin: „Das war sicher kein Wasser!!!)

Myanmar Burma Goteik Viadukt Hsipaw Mandalay

Die Strecke ist landschaftlich wunderschön. Wir fahren an Reisfeldern vor, sehen grasende Wasserbüffel, jede Menge Bananenbäume und grün bewachsene Berge. Die Pflanzen wachsen so nah an den Gleisen, dass sie teilweise in die offenen Fenster reinhängen, wodurch die Fensterrahmen zu Heckenscheren werden. Sitzt man also in Fahrrichtung bekommt man sehr viel Grünzeug ab. :D

Myanmar Burma Goteik Viadukt Hsipaw Mandalay

Myanmar Burma Goteik Viadukt Hsipaw Mandalay

Myanmar Burma Goteik Viadukt Hsipaw Mandalay

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Während der Fahrt wird natürlich fleißig verkauft, vor allem Essen und Trinken. Ein junger Burmese ist dabei sehr schlau und positioniert sein gekühltes Bier genau vor den Backpackern. :D Mit den Grundlagen der Betriebswirtschaft hat er es aber nicht so. Eine kleine Dose Bier (0,33l) kostet 1.000 Kyat, das große Bier (0,5l) kostet 2.000. Armin nimmt sich die Zeit und versucht dem jungen Mann klar zu machen, dass der Kunde mehr Bier zum gleichen Preis bekommt, wenn er 2 kleine Dosen kauft. Die Preise bleiben aber gleich und so kauft Armin halt zwei kleine Bier. :D

Myanmar Burma Goteik Viadukt Hsipaw Mandalay

Nach ca. 5 Stunden Fahrt kommen wir dann zum Highlight der Strecke, dem Goteik-Viadukt. Alle Westler stürmen auf die rechte Seite, da man hier in der Kurve das beste Foto mit dem Viadukt schießen kann. Der Zug fährt hier sogar langsamer. Ob aus Sicherheitsgründen oder um den Touristen genügend Zeit zu geben ist ungewissen. Edit Armin: Definitiv Sicherheitsgründe! Der Anblick ist toll. In der Schlucht unter uns fließt ein Fluss entlang. Am Viadukt wackelt sogar der Zug etwas weniger, vielleicht werden hier die Schienen öfter gepflegt. :-)

Myanmar Burma Goteik Viadukt Hsipaw Mandalay

Myanmar Burma Goteik Viadukt Hsipaw Mandalay

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Nachdem wir das Viadukt passiert haben, geht es aufwärts und wir machen ordentlich Höhenmeter, so bekommen wir noch einmal eine wunderbare Aussicht auf das Viadukt.

Myanmar Burma Goteik Viadukt Hsipaw Mandalay

Da die Fahrt ja „etwas“ länger dauert erleben wir auch noch einen wunderschönen Sonnenuntergang.

Myanmar Burma Goteik Viadukt Hsipaw Mandalay

Zu Beginn der Fahrt haben wir uns noch gefragt, wie es die Einheimischen schaffen bei diesem Gewackel und Lärm schlafen zu können. Aber offensichtlich passen wir uns auch sehr schnell an die äußeren Umstände an und machen ein kleines Schläfchen. :-)

Myanmar Burma Goteik Viadukt Hsipaw Mandalay

Myanmar Burma Goteik Viadukt Hsipaw Mandalay

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Irgendwann ist dann auch Mandalay endlich in Sichtweite. Zugegeben nach einigen Stunden wird die Fahrt dann doch etwas mühsam und wir freuen uns schon sehr auf die Ankunft. Wir haben aber nicht mit der Hügelkette vor der Stadt gerechnet, die unser Zug noch überwinden muss. Und das dauert. Da die Kurven für den Zug zu eng sind, gibt es sowohl am Zuganfang als auch –ende eine Lok.In jeder engen Kurve gibt es eine Art Auslaufstrecke, die der Zug so lange befährt, bis die andere Lock die Führung übernehmen kann. Und so wird es dann tatsächlich 20.30 Uhr bis wir in Mandalay ankommen. Immerhin ca. 45min vor geplanter Ankunft. Das passiert der ÖBB nie. :D

Da wir kein Zimmer vorgebucht haben versuchen wir unser Glück einfach in einem nahe gelegenen Hotel, dass laut Booking.com noch Zimmer frei hat und ein exzellentes Frühstück haben soll. Leider scheinen die Angaben im Internet nicht zu korrekt zu sein und das Hotel ist ausgebucht. Die netten Damen an der Rezeption telefonieren aber sogleich mit der nächsten Unterkunft, die nur wenige Meter entfernt liegt. Und so haben wir keine zehn Minuten später ein Zimmer um ca. 18€. Es hat zwar kein Fenster, stört uns aber auch nicht, da die letzten Unterkünfte mit Fenster ja leider nicht gerade leise waren. Da wir bis auf ein paar Kekse und Chips kein ordentliches Mittagessen hatten landen wir dann wenig später mit knurrenden Magen in einem Barbecue-Restaurant, dass zwar etwas höhere Preise hat als üblich, aber uns dafür mit leckeren Grillereien beglückt. :-)

Da es morgen schon wieder weiter geht, fallen wir kurz darauf sehr müde in unser Bettchen.  

Comments


Barbara Hofer 10.29.2018

Ohhh Hygiene wert in denn Zug groas gschriebn,ober sischt gonz tolle Bilder.Geatz Raphaela besser mitn Mogn?

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