• Menu
  • Menu

Vientaine mit Hahn

Vientaine mit Hahn

Wie soll es auch anders sein. Die Nacht im Dschungel hat Raphaela den Rest gegeben. Jetzt ist sie krank. Sie liegt im Bett und hat keine Stimme mehr. So wirklich keine Stimme, sie kann nicht sprechen. Für mich ist das eine komplett neue Erfahrung. Es ist so leise, so entspannend. :-) :-) :-)  Da es ihr wirklich nicht sonderlich gut geht, beschließen wir, ein paar Tage länger in Vientaine zu bleiben. Ich reserviere also unser Hostel für drei weitere Nächte und wir hoffen, dass sie bald wieder auf den Beinen ist. Ich habe also viel Zeit, durch die Stadt zu schlendern. Auf der Suche nach einer Apotheke lerne ich schon einen großen Teil der Stadt kennen und merke, dass es nicht so sonderlich viel zu sehen gibt.

Also wende ich mich zur Abwechslung mal von unserer Wegwerfgesellschaft ab. Meine Hose hat ein Loch. Und ich lasse sie tatsächlich nähen. Zu Hause hätte ich weggeworfen und den nächsten H&M aufgesucht. Hier näht mir eine fähige Schneiderin schnell in wenigen Minuten ein Stück Stoff über das Loch und 2€ später ist meine Hose wie neu.

Anschließend versorge ich Raphaela mit Essen und verbringe den Nachmittag im Cafè unserer Unterkunft. Das Sailomyen-Guesthouse bietet angenehme Zimmer mit weichen Matratzen zum guten Preis. Rund um einen Innenhof ist das Gebäude 3 Stöcke hoch, also eigentlich alles in Ordnung. Wir haben aber nicht mit einem Mitbewohner gerechnet. Ein zweites Gebäude begrenzt nämlich den Innenhof, und dessen Besitzer hat Hühner und wie soll es anders sein, auch einen Hahn. Jetzt wäre das prinzipiell ja kein Problem, hätte der Hahn nicht mit gravierenden Aussetzern seiner inneren Uhr zu kämpfen. In den nächsten Tagen wird das Vieh immer zwischen 03:07 Uhr und 4:29 Uhr zum ersten Mal anfangen zu Krähen (ca. 10 Mal) um anschließend immer wieder ca. 30 Minuten Pause einzulegen für den nächsten Schreianfall. Das Vieh ist einfach nicht ruhig zu kriegen. Auch Ohrenstöpsel helfen nicht mehr, da der Innenhof wie ein Klangkörper den Schall verstärkt. Raphaela will allerdings nicht umziehen, weil sie sich nicht besser fühlt. Also freuen wir uns über den Hahn. Ich versuche zwar mehrfach auf die Jungs an der Rezeption einzuwirken, aber die Reaktion ist typisch asiatisch: Man verspricht mehrfach, sich sofort darum zu kümmern und macht dann gar nichts (von vorneherein nein zu sagen wäre nämlich unfreundlich… :-) ). Wir schlafen also mit Ohrenstöpseln, aber sogar die durchdringt das Vieh und beschließen, in Zukunft immer heißes Wasser und einen Topf mitzuführen. Hühnersuppe für alle!

Tag 2 verbringe ich mit der Erkundung der Stadt, während Raphaela versucht zu schlafen. Ich sehe mir also die Stadt an, die wirklich nicht viel zu bieten hat. Hauptsehenswürdigkeit ist der asiatisch angehauchte Triumphbogen Patuxai, der in den 1960er-Jahren als Erinnerung an die Helden der königlichen Armee im Kampf gegen Frankreich errichtet wurde.

Außerdem gibt es noch den Präsidentenpalast.

Und direkt am Mekong überblickt König Anouvong als gigantische Statue, die Grenzen seines Reiches. König Anouvong war Anfang des 19. Jahrhunderts der letzte Herrscher des Königreichs Vientaine, bevor es vom Königreich Siam besiegt wurde und gilt als Vater der laotischen Nation, da er sich gegen den mächtigen Nachbarn aufgelehnt hat.

Das waren auch schon die Sehenswürdigkeiten von Vientaine. Und da ich nichts anderes zu tun habe, gönne ich mir zur Abwechslung mal eine Massage. Auf dem Rückweg zum Hotel bringe ich Raphaela Essen vorbei (Thunfisch-Sandwich und frisch gepressten Ingwer-Limetten-Saft für den Vitamin C-Haushalt) und da sie sich nachher noch einmal hinlegt, gönne ich mir eben noch eine Massage. :-) Auch wenn der Hahn wieder nervt, erholt sich Raphaela langsam und am dritten Tag verlässt sie das Bett. Wir frühstücken, buchen die Bustickets nach Thakhek für den kommenden Tag und da Raphaela so verspannt ist, gönnen wir uns eine Massage. :-) Und zum ersten Mal ist sie wirklich damit zufrieden und schwärmt davon, wie die kleine Asiatin jeden Schmerzpunkt gefunden und gekonnt ausmassiert hat. Freut mich.

Anschließend suchen wir uns was zu Essen. Ich habe einen Barbeque-Schuppen ins Auge gefasst, der mit am Vortag aufgefallen ist. Wir sind die einzigen Ausländer, dementsprechend ist die Kommunikation sehr schwierig. Ich frage also einen Herren an einem anderen Tisch, ob er uns helfen kann. Er kann, obwohl er nur wenig Englisch spricht und wir haben einen neuen Freund gefunden. Wir bekommen einen Tontopf voller glühender Kohlen, der in den Tisch eingehängt wird. Darauf kommt eine Mischung aus Topf und Pfanne. In der Mitte können wir also unsere Suppe kochen, außen das Fleisch grillen. Sehr lecker.

Und zusätzlich dazu erfreuen sich der hilfsbereite Laote und seine zwei Kumpels daran, mein Glas immer wieder voll zu machen und mich zu nötigen, mein Bier auf ex zu trinken. Ich bestelle noch zwei Bier für die Jungs und da sie augenscheinlich schon lange vor unserem Eintreffen angefangen haben zu trinken, sind sie irgendwann müde, setzen sich auf ihre Scooter und verschwinden in der Nacht. Ja, besoffen fahren ist hier noch ein Kavaliersdelikt. :-) Wir sind vollgefressen und begeben uns ins Bett.

Am kommenden Tag ist die Abholung am Guesthouse zwischen 08:30 und 09:00 Uhr angesetzt, da unser Bus um 10.00 Uhr vom Busbahnhof losfahren soll. Als um 09:15 noch niemand da ist, frage ich im Guesthouse nach. Der Rezeptionist telefoniert kurz und 10 Minuten später ist unser Tuk Tuk endlich da. Jetzt wird’s zeitlich etwas knapp, denken wir. Als und das Tuk Tuk dann zum falschen Bahnhof fährt und unser Fahrer uns in den öffentlichen Bus zum richtigen Bahnhof setzen will, werde ich leicht verstimmt. Nur weil er keine Lust hat, die gebuchten und bezahlten 10km zu fahren, soll ich meinen Bus nicht erwischen? Ich mache also meinen Standpunkt klar, woraufhin der Fahrer die Agentur anruft, wo wir unsere Fahrt gebucht haben. Der Travel Agent verspricht, dass uns der Fahrer nun zum Bahnhof bringt und wir steigen wieder ein. Und als wir losfahren wollen, fährt ein Bus unserem Tuk Tuk leicht in die Seite (minimale Delle). Also läuft unser Fahrer dem öffentlichen Bus hinterher, während unsere Zeit verrinnt. Als er zurückkommt, weichen wir dann doch auf den öffentlichen Bus aus (nach einem weiteren Gespräch mit dem Travel Agent der verspricht, unseren Bus aufzuhalten…). Als wir am Bahnhof ankommen ist unser Bus natürlich weg, wie soll es auch anders sein. Also werden wir kurzerhand in einen Liegebus verfrachtet mit dem Zusatz: „Das ist der Bus den ihr gebucht habt, der fährt heute nur etwas später ab…“. Ja ja, wer es glaubt…

Wir fahren also etwas verspätet ab, aber die Fahrt wird angenehm. Der Liegebus hat verschiedene Abteile und wir legen uns ganz hinten hin. Obwohl der Bus ziemlich voll ist, will man uns genügend Platz lassen, was uns nicht weiter stört. Irgendwann überreden wir eine Mutter mit ihrem einjährigen Kind dann doch, sich zu uns zu legen. Und so holpern wir über die Schlaglochpisten nach Thakhek, werden durchgerüttelt und können trotzdem etwas schlafen.

Kurz vor dem Ziel steigen noch zwei Französinnen zu, die in Thakhek Englisch unterrichten. Mit denen teilen wir uns anschließend noch ein Tuk Tuk vom Bahnhof ins Zentrum (nicht ohne vorher ausgiebig mit dem Tuk Tuk-Fahrer um den Preis gefeilscht zu haben, den dieser an der Endstation dann wieder erhöhen will. Darauf lassen wir uns aber nicht ein, während die zwei Mädels den Aufpreis bezahlen. Wieso auch immer, aber Tuk Tuk-Fahrer sind egal wohin man kommt ein Ärgernis. (Wir haben inzwischen bereits Leute kennengelernt, die lieber 10km zu Fuß gehen, als auch nur mit einem Tuk Tuk-Fahrer zu reden, weil sie es so satt haben, dauernd beschissen zu werden). Wir entscheiden uns für ein Hotel mitten im Zentrum und ich frage, welchen Preis sie mir anbieten können. Sie sagen 42 Dollar, ich zeige ihnen ihren eigenen Preis auf Booking (23,80 Dollar) worauf sie meinen, dann muss ich auf Booking buchen. Ich versuche ihnen noch zu erklären, dass sie ja dann Gebühren an Booking bezahlen müssen. Als der Chefrezeptionist mir dann sein letztes Angebot unterbreitet (30 Dollar…) buche ich online. Thakhek ist ein nettes kleines Städtchen direkt am Mekong. Auf der anderen Seite des Flusses liegt Thailand. Wir gönnen uns gegrillten Fisch und Papayasalat direkt am Wasser. Dann legt sich Raphaela ins Bett und ich mich in eine Massageliege, um zur Abwechslung mal eine Massage zu bekommen. :-) Man gönnt sich ja sonst nichts.

Morgen starten wir auf den Thakhek-Loop und planen, vier Tage mit einem Scooter die Gegend zu erkunden. Das wird sicher spannend.

Comments


Empty

Leave a Comment: